Wie ganz Österreich freut sich Armin Assinger über die rot-weiß-rote Medaillenflut bei Olympia in Mailand/Cortina. Der oe24-Skiexperte warnt die Alpinen allerdings davor, sich hinter den Goldmedaillen von Benjamin Karl, Janine Flock & Co. zu verstecken.
Leider sind die Rennen im alpinen Bereich für den ÖSV nicht so ganz nach Wunsch verlaufen. Vier Medaillen sind einfach zu wenig zur Glückseligkeit.
Freilich, Ariane Rädler/Katharina Huber großartig! Nicht minder die Silbernen von Fabio Gstrein und Manu Feller/Vinc Kriechmayr sowie die Bronzene von Conny Hütter, aber: Für den finanziellen und personellen Aufwand ist der Output einfach zu dürftig. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Schweizer Herren das Maß aller Skidinge sind und dass auch anderen Nationen, z.B. Norwegen und Italien, nur sehr schwer beizukommen ist.
Vinc belässt es bei Selbstkritik. Gut so!
Kriechmayrs Fähigkeit zur Selbstkritik ist ja schon fast legendär, aber auch beispielgebend. In der Öffentlichkeit sucht Vinc immer zuerst die Schuld für Niederlagen bei sich selbst. Da wird nicht auf Funksprüche verwiesen oder der Kurssetzung (von wem auch immer!) die Schuld gegeben. Da werden nicht das falsche Set-Up oder wechselnde Lichtverhältnisse als Entschuldigungen angeführt, fehlende Empathie oder Wertschätzung durch das Trainerteam im Allgemeinen beklagt. Vinc belässt es bei Selbstkritik.
Jeder Mensch, nicht nur ein Wettkämpfer, weiß, wie schwer so eine Denkweise, Fehler bei sich zu suchen, prinzipiell ist. Was dann intern besprochen wird, steht auf einem anderen Blattl Papier, das ist klar, aber das hat auch in der Öffentlichkeit nichts verloren.
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"Wohlfühloase" bringt keinen weiter
Für eine tiefgehende Analyse müsste ich weiter ausholen. Einen Grund für den Status Quo möchte ich doch anführen: großes Verletzungspech. Felix Hacker, Stefan Eichberger ausgefallen, ebenso Liensberger, mehrere Verletzte auf EC/FIS Niveau sowohl bei Damen und Herren, wodurch einfach der Druck auf die Arrivierten zu gering ist. Der Kampf ums sprichwörtliche „Leiberl“ muss unbedingt wieder verstärkt werden. Olympiasieger und Weltmeister Patrick Ortlieb hat einmal sinngemäß gesagt, dass ihm vorkäme, dass einige den ÖSV als „Wohlfühloase“ verstünden, während der allseits respektierte und hochangesehene Tennistrainer und Hochleistungssportexperte Günter Bresnik vor einiger Zeit treffend bemerkt hat: „Es ist noch niemals jemand in die Weltspitze gestreichelt worden!“
Wirklich alle innerhalb der ÖSV-Skifamilie wollen den Erfolg und arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen. Vielleicht sollte man aber trotzdem manchmal einen Schritt zurück machen, um sich einen besseren Überblick verschaffen zu können, sozusagen „Tabula rasa“ machen. Vielleicht hat man sich in gewissen Thematiken und Herangehensweisen schlichtweg verrannt oder Entwicklungen trotz eingehender Analysen falsch interpretiert.