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Wimbledon

Djokovic scheitert an Safin

Ganz dicke Sensation in Wimbledon: Novak Djokovic scheitert glatt in drei Sätzen an Marat Safin. Ivanovic siegt knapp.

Zwei Tennis-Himmelsstürmer aus Serbien haben am Mittwoch die zweite Runde in Wimbledon geprägt. Während Novak Djokovic völlig überraschend glatt in drei Sätzen seinem russischen Kontrahenten Marat Safin die Hauptrolle überlassen musste, gab es für die Weltranglistenerste Ana Ivanovic gegen die französische "tragische Heldin" Nathaly Dechy in einem Drei-Satz-Krimi ein Happy End. Ivanovic wehrte beim 6:7(2),7:6(3),10:8 zwei Matchbälle ab.

Kämpferherz
Nach Satz-Rückstand und 4:5,15:40 war die erste Riesensensation beim Rasenklassiker zum Greifen nahe. Den ersten Matchball wehrte das serbische Pin-up gegen eine groß aufspielende Nathalie Dechy mit einem Vorhand-Winner ab, beim zweiten durfte sich die 20-Jährige mit viel Glück bei der Netzkante bedanken. Ein Angriffsball blieb hängen und fiel auf der Seite der Französin ins Feld. "Mir blieb der Atem stehen. Da hat für mich das Match neu begonnen", gab Ivanovic zu.

Im entscheidenden Durchgang führte die Serbin zweimal mit Break, servierte bei 5:3 auf das Match, doch die Weltranglisten-97. wehrte nun ihrerseits zwei Matchbälle ab und lieferte der French-Open-Siegerin ein spannendes und hochklassiges Match, ehe die Vorjahresfinalistin nach 3:24 Stunden ihren vierten Matchball nützte. Ivanovic zeigte sich danach erleichtert: "Es war eine sehr, sehr enges Match, bei dem nur wenige Punkte entschieden haben. Ich war heute sicher die Glücklichere, bin aber auch ruhig geblieben."

Safin schockt Djokovic
6:4,7:6 (3),6:2 - ein Ergebnis dieser Art konnte man erwarten. Dass es nach zwei Stunden Spielzeit für den Außenseiter Marat Safin und gegen den Weltranglistendritten Novak Djokovic spricht, war allerdings die größte Überraschung des dritten Turniertages. Angefangen von den eigenen Servicegames, in denen der 21-jährige Australian-Open-Sieger zehn Doppelfehler bei nur vier Assen fabrizierte, stand Djokovic von Anfang an auf verlorenem Posten.

Safin hingegen ließ nur eine Breakchance zu, die Djokovic zwar nützte, sonst aber mit 28 Eigenfehlern auch von der Grundlinie die 28-jährige Nummer 75 der Welt nicht unter Druck setzten konnte. "Ich hatte wenig Selbstvertrauen, weil ich schon lange kein großes Match gewonnen habe. Djokovic am Center Court in Wimbledon zu besiegen ist großartig, weil Rasen nicht mein Belag ist. Novak war unter Druck, weil er die Nummer eins werden wollte. Von mir hat niemand etwas erwartet", meinte Safin.

Von Djokovic' Ambition, Roger Federer den sechsten Triumph in Wimbledon zu verderben und vom Thron des Branchen-Primus zu stoßen, war wenig zu spüren. "Er spielt zu viele Turniere, er muss besser planen", sagte Altmeister John McEnroe. Und Boris Becker, der wie "Big Mac" für die BBC kommentierte, meinte: "Marat weiß, wie man auf der großen Bühne spielt. Und es ist gut, dass er wieder stark spielt. Tennis braucht Charaktere wie ihn."

Safin überraschend stark
Der ehemalige Weltranglistenerste hatte erst zum dritten Mal in dieser Saison zwei Matches in Folge gewonnen und trifft nun auf den Italiener Andreas Seppi. "Ich spiele jetzt sehr gut und kann hier weit kommen", so Safin, der auch im zweiten Aufeinandertreffen mit Djokovic die Oberhand behielt. Beim ersten Sieg 2005 bei den Australian Open deklassierte er den damals 17-jährigen Serben 6:0,6:2,6:1, freilich unter anderen Vorzeichen.

Djokovic-Serie gerissen
Djokovic musste damit eine eindrucksvolle Serie beenden. Er hatte bei den vergangenen fünf Grand-Slam-Turnieren zumindest das Halbfinale erreicht und war dementsprechend enttäuscht: "Ich habe nichts so hingekriegt, wie ich es mir vorgenommen habe. Er hat mich unter Druck gesetzt und war mental hellwach im Gegensatz zu mir." Heißsporn Safin könnte in einem möglichen Halbfinale auf Roger Federer treffen.

Federer souverän
Der Schweizer überstand wie die weiteren Favoriten den dritten Turniertag zum Großteil ohne Probleme. "Wimbledon-König" Federer musste zwar in Durchgang drei einen Satzball abwehren, hatte mit Robin Söderling aber ebenso wenig Mühe wie Serena Williams mit Urszula Radwanska. Der deutsche Peya-Bezwinger Mischa Zverev warf Juan-Carlos Ferrero aus dem Bewerb. Der als Nummer 21 gesetzte Spanier musste bei 4:6,4:6,1:2 verletzungsbedingt aufgeben.