Jakobsen vor Comeback nach Horror-Sturz

"Hatte Angst nicht zu überleben"

Jakobsen vor Comeback nach Horror-Sturz

Fabio Jakobsen kam bei einem der fürchterlichsten Stürze in der Geschichte des Radsports nur knapp mit dem Leben davon. Nun steht der Niederländer bei der Türkei-Rundfahrt vor seinem Comeback. 

Vor acht Monaten war nicht einmal sicher, ob der Niederländer die nächste Nacht überleben würde. Mit schwersten Kopfverletzungen, entstelltem Gesicht, nur noch einem einzigen Zahn im Mund: »In dieser dunklen Phase hatte ich Angst, nicht zu überleben«, sagte er. Am Sonntag feiert Fabio Jakobsen sein Comeback bei der Türkei-Rundfahrt, im Vorhinein spricht er über die schwerste Zeit seines Lebens und berichtet von seiner Angst zu sterben.

 

Mit Tempo 80 gegen die Zielaufbauten


Es war die erste Etappe der Polen-Rundfahrt, auf den letzten Metern, im Sprint um den Sieg, zieht der 24-Jährige gerade an seinem Landsmann Dylan Groeneweg vorbei, da fährt der Konkurrent seine Schulter aus und bringt Jakobsen zu Fall. Mit Tempo 80 fliegt er gegen die Zielaufbauten und ist mittendrin in einem Horror-Crash, den der Radsport so nie erlebt hat. 

Jakobsen wird nach der Disqualifikation von Groenewegens zum Sieger gekürt, während die Ärzte gegen seinen Tod kämpfen. Mit schwersten Kopfverletzungen wird er ins Krankenhaus von Sosnowiec gebracht, verbringt zwei Tage im künstlichen Koma.

130 Stiche zum neuen, alten Gesicht


Heute, nach einem halben Dutzend Operationen, ist der Niederländer wieder fast voll hergestellt. Nur die neuen Zähne lassen noch auf sich warten. Sein mit 130 Stichen geflicktes Gesicht wirkt überraschend natürlich, sein neuer Kiefer enthält vorerst provisorische Kunstzähne. „Das wird noch ein paar Monate dauern, bis alles verheilt ist und ich meine neuen Zähne bekommen kann“, sagt Jakobsen.

 

 

Interview mit Quick-Step Cycling Team 
 

Dass dieser Jakobsen am kommenden Sonntag bei der Türkei-Rundfahrt sein Comeback feiern wird, ist nicht selbstverständlich. Für Jakobsen selbst ist es das größte Geschenk. »Ich bin extrem dankbar«, sagte der 24-Jährige, der die schwerste Zeit seiner Karriere, seines Lebens hinter sich hat.

Wenige Tage vor seinem ersten Rennen seit mehr als 8 Monaten, erfreut sich Jakobsen an den kleinen Dingen. Zeit mit der Familie, Training auf dem Rad und gemeinsames Abendessen mit den Team-Kollegen. „Es war sehr berührend,(…) die Möglichkeit zu haben, wieder Zeit mit dem Team zu verbringen und gemeinsam am Tisch zu sitzen. Die sonst so einfachen, kleinen Dinge sind sehr besonders für mich.“ Die Familie und sein Zuhaue seien sein Fundament, auf dem all sein Selbstvertrauen und der unbändige Ehrgeiz auf eine Rückkehr aufs Rad aufbauen. „Als ich aus Polen aus dem Krankenhaus nach Hause kam, konnte ich nicht einmal für mich selbst sorgen. Mein Comeback habe ich ihnen zu verdanken, (…) meine Familie ist alles für mich.“ Am Sonntag können ihn seine Liebsten sowie alle Radsport-Fans , trotz monatelangem Bangen, zurück auf dem Sattel sehen.