Dominic Thiem

Nach Erstrunden-Aus bei den French Open

Thiem gefrustet: "Was zur Hölle geht da ab"

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Mit leerem Blick und kaum verzogener Miene hat Dominic Thiem nach seiner Niederlage sein Medien-Pflichtprogramm absolviert. 

Gebetsmühlenartig musste er am Sonntag in Paris auf dieselben Fragen dieselben Antworten geben. Die große Zuversicht kann ihm weder der Auftritt in Roland Garros, noch jener die Woche davor in Genf gegeben haben. Aber Thiem weiß, dass er geduldig bleiben muss. Thiem braucht einfach länger für die Rückkehr der Automatismen in einer Match-Situation.

Nach sieben Niederlagen en suite mit nur einem Satzgewinn sieht Thiem noch keinen Grund für sonderliche Nervosität, einen Wechsel in seinem Umfeld oder einer Umstellung im Training selbst. "Ich mache nichts anders. Das ist der Schlüssel. Mit einer gewissen Art des Trainings bin ich sehr erfolgreich geworden, also ist es Zeit, das Gleiche wieder zu tun, um wieder in die Spur zu kommen." Es sei kein Geheimnis, dass er erst seit rund sechs Wochen wieder wirklich gut und konstant trainiere. "Dasist einfach nicht lange genug, besonders für die Verletzung, die ich hatte." Darum gibt er sich mehr Zeit. "Es wird noch ein paar Monate dauern, bevor ich bereit bin, wieder die Topleute zu schlagen."

"Treffe während Rallye dumme Entscheidungen"

Thiem brachte auch ein anderes Beispiel: "Hätte ich in der Coronapause nicht 28 Exhibition-Matches gespielt, hätte ich auch sicher nicht so gut gespielt bei den US Open", erinnert der 28-jährige Lichtenwörther an seinen US-Open-Titel 2020. Seit seiner Jugend sei es so gewesen, dass er lange brauche. "Nach zehn Monaten ohne Spiel und mit einer schweren Handgelenksverletzung dauert es halt sehr lange, aber es kann sein, dass sich andere Spieler viel leichter tun."

Neben vielen einzelnen Kritikpunkten an seinem Spiel ist es auch die Match-Intelligenz, die Thiem noch fehlt. "Manchmal treffe ich während einer Rallye wirklich dumme Entscheidungen. Stopps oder im falschen Moment entlang der Linie. In einem Game heute habe ich vier oder fünf Vorhand-Returnfehler in Folge gemacht. Da habe ich mich gefragt, 'was zur Hölle geht da ab, ich wollte ihn nur reinspielen'."

Zwar sei es im Training besser, aber auch noch nicht perfekt. "Jeder sagt, dass man immer 10 bis 20 Prozent in der Garderobe liegen lässt, weil man nervös und angespannt ist. Bei mir geht es noch nicht einmal im Training perfekt. Ich kann nicht erwarten, dass es im Match passiert." Der berühmte erste Sieg würde vielleicht auch mental einen Schalter umlegen. Das weiß auch Thiem. "Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, war ich bei all den Matches, die ich gespielt habe, ziemlich weit von einem Sieg entfernt.

Zurück auf die Challenger-Tour

Diesen ersten Sieg will er nun in Italien auf Challenger-Ebene holen. Die Erinnerung an seine Glanzzeiten in Roland Garros, oder auch das Flair und das Publikum haben ihm am Sonntag bestenfalls mehr Druck gemacht. "Das sind alles schöne Dinge, aber die werden mir nicht helfen, dass ich besser in Match-Situationen spiele. Sicher hätte ich mir erhofft, dass es schneller geht, erhofft, dass es vielleicht hier mit dem ersten Sieg klappt, aber es zu erwarten wäre unrealistisch gewesen."

Ohne Rasen-Turnierpraxis wird Thiem dann, für manche vielleicht auch etwas überraschend, in Wimbledon spielen. Die Entscheidung von ATP und WTA, für den Rasen-Slam wegen des Ausschlusses von Akteuren aus Russland und Belarus keine Weltranglisten-Punkte zu vergeben, sieht Thiem als "harte Entscheidung für alle". "Auch für manche Spieler ist es richtig bitter. Berrettini zum Beispiel, der wird wahrscheinlich auf 60 zurückfallen. Djokovic wird wahrscheinlich seine Nummer-1-Position verlieren, aber ich glaube trotzdem, dass alle spielen werden", erwartet Thiem keinen Boykott. "Man muss sich immer vor Augen führen, dass es ein Tennisturnier ist, egal ob Punkte oder nicht. Der Grund dafür ist, dass es Krieg gibt, das Wichtigste ist, dass so bald wie möglich wieder Frieden herrscht." 

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