Olympia 2016

Eröffnung in Rio von Protesten überschattet

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Interimspräsident Temer wurde im Maracana-Stadion ausgepfiffen.

Überschattet von Protesten und der politischen Krise in Brasilien sind die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro eröffnet worden. Als der brasilianische Interimspräsident Michel Temer am Freitagabend zum Abschluss der Feier im Maracana-Stadion die Spiele für eröffnet erklärte, wurde er von den Zuschauern wie erwartet ausgepfiffen.

Protestrufe und Pfiffe

"Nach diesem wunderbaren Spektakel erkläre ich die Olympischen Spiele von Rio für eröffnet", sagte Temer bei seinem kurzen Auftritt. Die Protestrufe und Pfiffe des Publikums wurden erst durch das Feuerwerk übertönt, mit dem die Zeremonie endete. An den TV-Bildschirmen mit Milliarden Zuschauern war das Ausmaß der Blamage gar nicht richtig wahrzunehmen, weil offensichtlich massiv die Pfiffe heruntergeregelt worden waren. Schon zu Beginn der Eröffnungsfeier war Temer - anders als im Programm angekündigt - nicht begrüßt worden. Sondern nur IOC-Präsident Thomas Bach.

Als Bach seine Ansprache hielt, begrüßt auch er Temer nicht. Beides ist eigentlich ein Affront. Es gärt bekanntlich im Land, die Amtsenthebung der bisher nur suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff soll nach Temers Willen nach Olympia zügig vollzogen werden, damit er Anfang September als "richtiger" Präsident amtieren kann. Brasilien steckt mitten in einer schweren Politik- und Wirtschaftskrise. Rousseff betrachtet das Amtsenthebungsverfahren gegen sie als verdeckten Putsch Temers.

Krise

In seiner Ansprache bezog sich Bach auf diese Krise. "Ihr habt Rio in eine moderne und einzigartige Stadt verwandelt", sagte der Deutsche, der seinerseits wegen des Umgangs des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit den Dopingvorwürfen gegen die russischen Sportler umstritten ist. "Und ihr habt all unsere Bewunderung, weil ihr dies in einem schwierigen Moment der Geschichte Brasiliens getan habt."

Ein Höhepunkt der Feier war der Einzug der 207 nationalen Olympia-Mannschaften. Besonderen Applaus erhielt die Flüchtlingsmannschaft, die unter der Olympischen Flagge erstmals an den Spielen teilnahm. "Ihr habt eine Botschaft der Hoffnung für die Millionen Flüchtlinge in aller Welt. Ihr habt aus euren Häusern fliehen müssen wegen Gewalt, Hunger oder nur weil ihr anders seid", sagte Bach. Jetzt würden sie "einen wunderbaren Beitrag zur Gesellschaft" erbringen.

Das war die Olympia-Eröffnungsfeier



Als letzte Mannschaft zogen vor 78.000 Zuschauern als Gastgeber die Brasilianer ein. Der frühere Marathonläufer Vanderlei Cordeiro de Lima, der bei den Spielen in Athen 2004 den Sieg verpasst hatte, weil ein Fan ihn festgehalten hatte, entzündete als letzter Fackelträger schließlich das olympische Feuer. Zuvor hatte Brasiliens Fußball-Ikone Pele abgesagt, weil er "körperlich" nicht in der Lage sei.

Wenige Staats- und Regierungschefs

Unter den ausländischen Gästen waren Frankreichs Präsident Francois Hollande und sein argentinischer Kollege Mauricio Macri. Im Vergleich zu früheren Spielen hatten sich jedoch deutlich weniger Staats- und Regierungschefs angemeldet. Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hatte aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgesagt. Brasiliens suspendierte Präsidentin Rousseff und ihr Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva boykottierten die Feier aus Protest gegen das laufende Amtsenthebungsverfahren.

Ärger und Desinteresse

Außerhalb des Stadions war die Stimmung weniger geprägt von Freude als von Ärger oder schlicht Desinteresse. Kurz vor der Eröffnung hatte es in Rio erneut Proteste gegen die Spiele gegeben. Mehrere tausend Menschen demonstrierten mit Schildern, auf denen "Nein zu den Olympischen Spielen" zu lesen war, gegen das Sportereignis vor dem Luxushotel Copacabana Palace, wo viele Sportler wohnen.

Viele Brasilianer sind wütend über das teure Sportspektakel, für das insgesamt rund elf Milliarden Euro ausgegeben wurden. Als Brasilien 2009 den Zuschlag für die Spiele erhielt, war es am Höhepunkt seines Wirtschaftsbooms, doch hat sich seitdem die Lage gravierend verschlechtert. Inzwischen steckt das Land in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten mit hoher Arbeitslosigkeit und starker Inflation.

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