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Chronologie

Der Irak und die Baath-Diktatur

AmSonntag wurde der ehemalige Staatschef Saddam Hussein zum Tod verurteilt. Seine arabisch-sozialistische Baath (Wiedergeburt)-Partei regierte 35 Jahre (1968 bis 2003).

Im Mittelpunkt der laizistischen Baath-Ideologie stehen arabischer Nationalismus und Sozialismus. Erst seit dem Golfkrieg 1991 gab sich Saddam Husseins Regime einen pro-islamischen Anstrich. In Syrien herrscht seit 1963 ein verfeindeter Flügel der 1947 von dem syrischen Christen Michel Aflak gegründeten panarabischen Partei.

Irak ein Konstrukt der Kolonialmächte
Die irakische Staatlichkeit ist das Ergebnis des britisch-französischen Sykes-Picot-Geheimabkommens (1916), das während des Ersten Weltkriegs die Interessensphären der Siegermächte nach der Zerstückelung des Osmanischen Reiches festlegte und das Entstehen eines gesamtarabischen Staates verhinderte.

Die Araber hatten Mesopotamien im 7. Jh. erobert, das zum Mittelpunkt des Bagdader Kalifats der Abbasiden (750-1258) wurde. Im 16. Jh. kam das Gebiet unter türkische Herrschaft.

1917: Erster Weltkrieg: Britische Truppen bringen die osmanischen Provinzen Basra, Bagdad und Mossul unter ihre Kontrolle.

1920: Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches erhält Großbritannien auf der Konferenz von San Remo ein Mandat für den Irak und Palästina (Frankreich für Syrien und Libanon).

1921: Errichtung der irakischen Monarchie unter König Faisal I. aus der Haschemiten-Dynastie. (Sein Bruder Abdullah wird Emir von Transjordanien, später erster König von Jordanien).

1926: Die "Iraq Petroleum Co." (unter britisch-amerikanischer Dominanz) erwirbt die Ölkonzessionen.

1930: Britisch-irakisches Bündnisabkommen mit 25-jähriger Dauer.

1932: Ende des Mandats und Aufnahme des Irak in den Völkerbund; Souveränität bleibt durch britische Vorrechte beschränkt.

1941: Staatsstreich achsenfreundlicher Kräfte wird von den Briten niedergeschlagen. Ministerpräsident Gailani flüchtet nach Nazi-Deutschland.

1945: Der Irak ist Gründungsmitglied der Arabischen Liga.

1948: Teilnahme am ersten arabisch-israelischen Krieg.

1955: Nach Auslaufen des Bündnisvertrages mit Großbritannien pro-westlicher "Bagdad-Pakt" (Irak, Türkei, Großbritannien, Pakistan, Iran).

1958: Kurzfristiger Zusammenschluss Irak-Jordanien zur " Arabischen Föderation" (als Gegengewicht zur "Vereinigten Arabischen Republik" Ägypten/Syrien).

14. Juli 1958: Blutiger Putsch und Sturz der Monarchie (König Faisal II., Enkel von Faisal I., wird ermordet); linksgerichtete Militärdiktatur unter General Abdelkarim Kassem - Ende der "Arabischen Föderation" und Austritt aus dem Bagdad-Pakt

1961: Mit Hilfe des US-Geheimdienstes Beginn des Kurden-Aufstands im Nordirak.

1963: Sturz und Ermordung von General Kassem. General Abdessalam Aref wird Staatschef (er verunglückt 1966 tödlich und wird durch seinen Bruder Abdelrahman ersetzt).

1967: Teilnahme am Juni-Krieg (Sechs-Tage-Krieg) gegen Israel.

1968: Machtergreifung der Baath-Partei unter General Ahmed Hassan al-Bakr; Der junge Saddam Hussein wird Vize-Staatschef.

1971: Waffenstillstand mit den Kurden - "Nationaler Pakt" zwischen Baath-Partei, Kommunisten und Kurden-Partei KDP für einen " volksdemokratisch-sozialistischen Einheitsstaat"

1972: Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion

1974/75: Wiederaufnahme des Kurdenkrieges (bis 1986 werden mehr als eine Million Kurden zwangsumgesiedelt)

1975: Beilegung des Grenzkonflikts mit dem Iran im Schatt-el-Arab

1979: Saddam Hussein löst General Bakr als Staatspräsident ab. Der Irak an der Spitze der "Ablehnungsfront" gegen ägyptisch-israelischen Separatfrieden von Camp David -Beitritt zur Bewegung der Blockfreien

1980: Irakischer Angriff auf den Iran: Erster Golfkrieg (bis 1988)

1990: Irakischer Überfall auf Kuwait (2. August)

1991: Zweiter Golfkrieg, Errichtung von "Flugverbotszonen" durch USA und Großbritannien, UNO-Sanktionen

1998: Abzug der UNO-Waffeninspektoren

2002: Rückkehr der UNO-Kontrollore. UNO-Resolution 1441 verpflichtet Bagdad zur Offenlegung aller Waffenprogramme.

2003: Ohne UNO-Mandat beginnen die USA mit ihren Verbündeten Feldzug gegen den Irak und besetzen das Land.

2004: Einsetzung einer Übergangsregierung und offizielles Ende der Okkupation.

2005: Wahl einer konstituierenden Nationalversammlung. Der Kurde Jalal Talabani wird Staatspräsident, Annahme einer föderalistischen Verfassung.

2006: Parlamentswahlen, bürgerkriegsähnliche Entwicklung, Saddam zum Tod verurteilt.



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