Isabelle Daniel in Damaskus

Isabelle 
Daniel aus Syrien

Kämpfe in Syrien: "Ich spüre den Krieg"

ÖSTERREICH-Reporterin berichtet aus dem umkämpften Damaskus.

Junge Männer mit Panzerjacken und Maschinengewehren stehen auf Pick-ups. Mehrere Checkpoints mit schwer bewaffneten Militärs säumen die Straßen vom Flughafen nach Damaskus. Wir fahren an den umkämpften Vororten von Syriens Hauptstadt vorbei. Und auf etlichen offenen Pick-ups befinden sich Männer mit längeren Bärten, die unter ihren langen weißen Gewändern ebenfalls Waffen verstecken könnten, sagt ein Mann aus Damaskus.

Im Unterschied zum letzten ÖSTERREICH-Lokalaugenschein im Februar spürt man den Krieg auch an den Pforten von Damaskus.

Die Stimmung ist besonders angespannt – weil heute Freitag ist, und an Freitagen die meisten Selbstmordattentate oder Massaker passieren. 17 Monate nach Beginn des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Bashar al-Assad – mittlerweile starben 25.000 Menschen – hat der Bürgerkrieg aber auch Damaskus selbst erreicht.

Nicht einmal Regierungsstellen versuchen das noch im ÖSTERREICH-Gespräch zu leugnen. Im Februar hieß es, das „sind alles Übertreibungen“. Gestern riet man mir eindringlich, am heutigen Freitag im Hotel zu bleiben.

Alle in Damaskus wirken nervös und angespannt
Nur im Zentrum der Stadt herrscht noch Normalität. In Mezzeh, wenige Kilometer von der City, spürt man den Kriegszustand hingegen deutlich: Vor Militäreinrichtungen wurden Schutzwälle errichtet. Überall liegen grüne Sandsäcke, die Angriffe abfedern sollen. Es stehen weit mehr Soldaten mit schweren Waffen dort als noch im Februar. Auch die Ministerien sind schwer bewacht. Alle wirken nervös und angespannt. Immerhin töteten Rebellen erst vor wenigen Wochen in Damaskus gleich vier Männer aus Assads innerstem Kreis.

"Die Rebellen verdienen es, zu sterben"

Syriens Präsident Assad droht noch unverhohlener, seine Gegner (die Aufständischen) zu töten.

„Endlich hat er klare Worte gefunden. Den einzigen Vorwurf, den ich Assad machen kann, ist, dass er zu weich mit Aufständischen umgegangen ist“, sagt Ahmed. Am Mittwoch hat Syriens Präsident Bashar al-Assad (dessen Regime von der UNO Kriegsverbrechen vorgeworfen werden) den Ton verschärft: „Gegner Syriens (Rebellen, Anm.) verdienen es, zu sterben.“ Das Regime nimmt dabei nun in Damaskus untergetauchte Rebellen ins Visier. Im ÖSTERREICH-Gespräch sagen Aktivisten: „Das Regime wird Damaskus säubern.“ Steht das nächste Massaker bevor?

 

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