Tag der Entscheidung in Trumps Impeachment-Prozess

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Tag der Entscheidung in Trumps Impeachment-Prozess

Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump könnte sehr schnell zu Ende gehen:

Washington. Der Senat wird am Freitag (19.00 Uhr MEZ) über die von den Demokraten geforderte Vorladung von Zeugen debattieren. Scheitert die Opposition mit ihrer Forderung, könnten die Republikaner den historischen Impeachment-Prozess noch in dieser Woche zum Abschluss bringen. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie wird der Freitag ablaufen?

Zunächst wird vier Stunden lang darüber debattiert, ob Zeugen vorgeladen oder bisher zurückgehaltene Regierungsdokumente angefordert werden sollen. Die Demokraten sind dafür, Trumps Republikaner zumindest in der großen Mehrzahl strikt dagegen. Im Anschluss an die Debatte wird in einem ersten Schritt grundsätzlich über die Frage abgestimmt. Die Haltung der US-Bürger ist übrigens recht eindeutig: Einer Umfrage zufolge sind drei Viertel der Wähler für Zeugenbefragungen im Senat.

Wen wollen die Demokraten vorladen?

Die Demokraten fordern schon seit Wochen die Vorladung von vier Schlüsselfiguren der Ukraine-Affäre. Sie wollen den früheren Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, Trumps amtierenden Stabschef Mick Mulvaney, dessen engen Berater Robert Blair sowie mit Michael Duffey einen Vertreter der Haushaltsabteilung des Weißen Hauses befragen. Sie alle hatten Einblicke in zentrale Etappen der Ukraine-Affäre.

Können sich die Demokraten mit ihrer Forderung durchsetzen?

Das ist die große Frage. Für eine Zeugenvorladung ist eine Mehrheit von 51 der 100 Senatoren nötig. Die Republikaner stellen 53, die Demokraten 47 Senatoren. Die Opposition muss also mindestens vier Konservative auf ihre Seite ziehen. Als mögliche Kandidaten gelten unter anderem der Trump-kritische frühere Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney und die Senatorin Susan Collins.

Was passiert bei einem Patt?

Bei einem Abstimmungsergebnis von 50 zu 50 würden sich alle Blicke auf den Obersten US-Richter John Roberts richten, der den Vorsitz über das Verfahren führt. Er hat bei Patt-Situationen - und nur dann - ein Stimmrecht. Wie der konservative Jurist in einem solchen Fall handeln würde, ist vollkommen offen. Ohne seine Intervention würde ein Antrag bei einem Abstimmungsergebnis von 50 zu 50 scheitern.

Könnten die Enthüllungen zu John Bolton den Ausschlag geben?

Der Ex-Sicherheitsberater bestätigt laut "New York Times" in einem Buchmanuskript den zentralen Vorwurf gegen Trump in der Ukraine-Affäre, dass der Präsident Militärhilfen deshalb zurückhielt, weil er Korruptionsermittlungen gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden erwirken wollte. Durch die Enthüllung verstärkte sich zumindest vorübergehend der Druck, Zeugen vorzuladen. Allerdings verdichteten sich zuletzt die Hinweise, dass der republikanische Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell die Reihen weitgehend geschlossen halten kann. Es wird also extrem spannend.

Wie würden Zeugenbefragungen ablaufen?

Sollten sich die Demokraten durchsetzen, würden die Zeugen zunächst hinter verschlossenen Türen befragt. Erst dann würde in einem zweiten Schritt entschieden, welche Zeugenaussagen öffentlich gemacht werden sollen. Fest steht: Der Prozess würde sich deutlich verlängern. Trumps Anwälte haben zudem angekündigt, mögliche Zeugenvorladungen mit juristischen Mitteln bekämpfen zu wollen.

Könnten auch die Republikaner Zeugen vorladen?

Sollten die Demokraten Zeugenvorladungen durchsetzen, dürften die Republikaner nachziehen. Sie könnten beispielsweise Ex-Vizepräsident Biden und dessen Sohn Hunter vorladen, denen Trump ohne jeden Beweis korrupte Machenschaften in der Ukraine vorwirft. Die Demokraten kritisieren solche Erwägungen als Ablenkungsmanöver.

Und wenn die Demokraten in der Zeugenfrage scheitern?

Setzen die Demokraten sich nicht durch, könnte alles sehr schnell gehen. Die Republikaner könnten noch am Freitag oder Samstag zu den Schlussabstimmungen über die beiden Anklagepunkte gegen Trump - Amtsmissbrauch und Behinderung des Kongresses - übergehen. Die Senatoren könnten Anklage und Verteidigung zuvor noch Zeit für Schlussplädoyers geben.

Eine Amtsenthebung Trumps gilt als ausgeschlossen. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit von 67 Senatoren notwendig.

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