Blutige Unruhen

Tunesien schließt Schulen und Unis

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Die Regierung fürchtet neue Proteste, die EU forderte "Respektierung der Grundfreiheiten".

Nach den blutigen Unruhen in Tunesien haben die Behörden am Dienstag landesweit alle Schulen und Universitäten geschlossen. Die Regierung will mit der zunächst unbefristeten Maßnahme verhindern, dass sich während der Unterrichtszeit weitere soziale Proteste formieren. In den vergangenen Tagen hatten sich zahlreiche junge Menschen an zum Teil gewaltsamen Ausschreitungen beteiligt.

Mehr als 30 Tote
Bei den Unruhen sind seit dem Wochenende weit über 30 Menschen ums Leben gekommen. Viele von ihnen wurden von Sicherheitskräften erschossen. Die Menschenrechtsorganisation FIDH bezifferte die Zahl der Toten am Dienstag auf mindestens 35. Vermutlich seien es aber deutlich mehr.

Als Ursache der schlimmsten Aufstände seit Mitte der 80er Jahre gelten die hohe Arbeitslosigkeit und ein Gefühl der Perspektivlosigkeit in Teilen der Bevölkerung. Gerade Hochschulabsolventen haben es nach der Ausbildung schwer, einen Job zu finden.

Präsident versprach neue Arbeitsplätze
In einer Rede am Montag hatte Präsident Zine al-Abidine Ben Ali 300.000 neue Arbeitsplätze bis Ende 2012 versprochen. Gleichzeitig verurteilte er die gewaltsamen Proteste als unverzeihliche terroristische Akte. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich rief am Dienstag zur Ruhe auf. Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme könnten nur durch einen Dialog zwischen der Regierung und den Demonstranten gelöst werden, sagte Regierungssprecher Francois Baroin.

Die Europäische Union hatte bereits am Montag "Zurückhaltung beim Einsatz von Gewalt und die Respektierung der Grundfreiheiten" gefordert. Blogger, Journalisten, Rechtsanwälte und andere festgenommene Personen, die friedlich demonstriert hätten, seien unverzüglich freizulassen, heißt es in einer Erklärung. Eine Intensivierung der Beziehungen zwischen der EU und Tunesien sei nur möglich, wenn beide Seiten den Menschenrechten und Grundfreiheiten verpflichtet seien.
 

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