In Ungarn findet heute eine historische Parlamentswahl statt. Für Österreichs Nachbarn geht es um die Entscheidung zwischen EU-Kurs und Moskau-Nähe – und die Spannung im Land ist riesig.
Am Sonntag startete in Ungarn die wegweisende Parlamentswahl, die als wichtigste Entscheidung seit der demokratischen Wende 1989/90 gilt. Bereits am Vormittag zeichnete sich ein historisches Interesse ab: Bis 9:00 Uhr hatten bereits 17 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2022 waren es um diese Zeit zehn Prozent.
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Für Aufsehen sorgte am Sonntagvormittag Mihály Szőke-Tóth, Bürgermeister der Gemeinde Bócsa. Obwohl er der Orban-Partei Fidesz angehört, gab er seine Stimme für die oppositionelle Tisza-Partei von Peter Magyar ab, berichtet "Focus online". Seine Begründung fiel deutlich aus: Er stimme "gegen russischen Einfluss und für europäische Werte". Szőke-Tóth kritisierte zudem eine "schwache Regierungsleistung und Kriegstreiberei" seiner eigenen Partei und erklärte, er unterstütze eine Gemeinschaft, die eine "Zukunftsvision hat und die Hoffnung für die Nation verkörpert".
Überraschung aus den eigenen Reihen
Die beiden Hauptprotagonisten gaben bereits am Morgen in Budapest ihre Stimmen ab. Viktor Orban erklärte nach der Stimmabgabe vor Journalisten, dass er seinem Herausforderer Magyar im Falle eines Sieges gratulieren würde. Auf die Frage, welches Ausmaß eine Niederlage seiner Partei haben müsste, damit er den Vorsitz niederlegt, antwortete Orban kurz: „Ein großes“. Peter Magyar wiederum zeigte sich überzeugt, dass seine Partei die Wahl gewinnen werde, und rechnet mit einer weiteren Rekord-Beteiligung im Laufe des Tages.