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Heftiger Disput

USA über Musharraf empört

Laut Pakistans Präsidenten drohte Washington nach 9/11, sein Land " in die Steinzeit zurückzubomben". Ex-US-Vizeaußenminister Armitage dementiert.

Spektakuläre Aussagen des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf über die Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 haben einen heftigen Disput mit den USA ausgelöst. Der frühere US-Vizeaußenminister Richard Armitage dementierte am Montag in Seoul die in Musharrafs Memoiren "In the Line of Fire" ("In der Schusslinie") enthaltene Behauptung, er habe damals gedroht, die USA würden Pakistan "in die Steinzeit zurückbomben", wenn das Land sich nicht am Anti-Terror-Kampf beteilige. Für Aufregung sorgte auch die in Musharrafs Buch enthaltene Angabe, der US-Geheimdienst CIA habe die Auslieferung von 369 Terrorverdächtigen durch Zahlung von mehreren Millionen Dollar erkauft.

"Sehr heftiges Gespräch"
Armitage räumte ein, damals ein "sehr heftiges Gespräch" mit dem pakistanischen Geheimdienstchef gehabt zu haben. Dabei sei es darum gegangen, die Unterstützung Pakistans für die Taliban in Afghanistan zu beenden. Die Drohung mit Bombardements habe jedoch "nie stattgefunden". Sie müsse durch eine "aufgeheizte" Weitergabe seiner Aussagen an Musharraf in die Welt gesetzt worden sein. In dem Gespräch mit dem Geheimdienstchef Mahmud Ahmed habe er zwar gesagt, der Kampf gegen den Terror sei für die USA eine "Sache von schwarz und weiß" . Auch habe er von Ahmed verlangt, binnen eines Tages die Zustimmung zu einer Serie "nicht verhandelbarer" Forderungen zu geben. Er sei jedoch "nicht befugt gewesen", Drohungen auszustoßen.

Auszüge aus Musharrafs Memoiren werden als Fortsetzung in der Londoner " Times" veröffentlicht. Der pakistanische Präsident berichtet darin auch, die CIA habe die Auslieferung von Terrorverdächtigen erkauft. Ein Sprecher des US-Justizministeriums sagte der "Times", sein Ministerium habe von den Zahlungen nichts gewusst. Sie seien nicht zulässig gewesen. " Das ist nur etwas für private Kopfgeldjäger." Keinen Kommentar erhielt die Zeitung vom US-Geheimdienst selbst: "Über unsere Beziehungen zu internationalen Führern sprechen wir nicht", beschied ein CIA-Sprecher.

"Aberwitzige" Forderungen
In seinen Memoiren beschreibt der pakistanische Staatschef, wie US-Botschafter Wendy Chambertain bereits zwei Tage nach den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon mit einer Liste von sieben Forderungen an ihn herangetreten sei. Unter anderem habe die US-Regierung " Blankovollmachten" für Überflug- und Landerechte sowie für die Nutzung pakistanischer Häfen, Luftstützpunkte und strategisch wichtiger Grenzgebiete verlangt. Er sei über diese "aberwitzigen" Forderungen so verärgert gewesen, dass er die USA bei "gedanklichen Kriegsspielen als Gegner einstufte", schreibt Musharraf weiter und betont, " Blankovollmachten" habe Washington nie bekommen.

Der pakistanische Präsident sah sich unterdessen gezwungen, während eines Besuchs bei der UNO in New York Putschgerüchte aus Islamabad zurückzuweisen. Berichte über einen möglichen Umsturz in Pakistan seien " Nonsens", sein Land sei "gottlob keine Bananenrepublik", sagte Musharraf, der 1999 selbst durch einen Putsch an die Macht gelangt war. "Wir sind ein normales, stabiles Land." Die Gerüchte über einen möglichen Umsturzversuch hatten am Sonntag neue Nahrung erhalten, als Millionen Pakistaner nach der größten Panne im Stromversorgungsnetz seit fünf Jahren stundenlang keinen Strom hatten.

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