"Wir versteckten uns unter Tischen, es war Panik pur"

Mehrere Tote, viele Verletzte

"Wir versteckten uns unter Tischen, es war Panik pur"

Terror in Münchner Einkaufszentrum. Das Minutenprotokoll des Terror-Abends.

Ausnahmezustand in München, der größte Anti-Terror-Einsatz legte die Millionenstadt lahm. Straßen gesperrt, Stadtteile abgeriegelt. Ein Augenzeuge behauptet: „Ein Schütze hat ‚Scheiß Ausländer!‘ gerufen, trug Springerstiefel.“ Bestätigung dafür gibt es keine.

17.52 Uhr Attacke beginnt, Schüsse vor McDonald’s

Alarm. McDonald’s beim Olympia-Einkaufszentrum, einem der größten in München. Ein junger Mann stürmt aus dem Lokal, er feuert um sich. Leute rennen in Panik weg, verstecken sich hinter Autos. Mindestens neun Menschen werden getötet, das hat die Polizei bestätigt, mehrere verletzt. Ein Opfer erlitt einen Kopfschuss. Der Schütze vom McDonald’s-­Restaurant flüchtet, verschwindet im Komplex des Olympia-Einkaufszentrums.

18.20 Uhr Großalarm und Panikwelle in München

Chaos. Die Polizei gibt Großalarm. Via Twitter wird gewarnt: „Wir wissen nicht, ob es ein oder mehrere Täter sind.“ Im Radio und TV wird durchgesagt: „Bleiben Sie in Ihren Wohnungen, verwenden Sie Busse und U-Bahn nicht.“ Der Bahnhof wird gesperrt, das gesamte Gebiet um das Einkaufzentrum abgeriegelt. Über der Stadt kreisen Hubschrauber. Scharfschützen an Bord. Jeder Polizist, der verfügbar ist, ist im Einsatz.

18.45 Uhr Zeugen: Einer in Weihnachtsmann-Kostüm

Angst. Die Ereignisse überschlagen sich. Jetzt ist von drei bewaffneten Tätern die Rede. Mehrere Zeugen wollen sie mit „Langwaffen“ (Gewehren) gesehen haben. Einer soll blond sein, ein Weihnachtsmannkostüm getragen haben und schmächtig sein. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schränkte allerdings ein: „Es könnte sich auch um einen Einzel­täter handeln.“

19.20 Uhr U-Bahn gestoppt, Autobahn gesperrt

Über ganz München rollt eine einzigartige Panikwelle. Die Polizei kann nicht ausschließen, dass ein Täter in die U-Bahn gestürmt ist. Via Smartphone-Warnsystem schickt die Polizei ständig ­Informationen aus. U-Bahnzüge werden gestoppt, Busse umgeleitet. Der Verkehr steht still. Selbst auf den Autobahnen werden die Fahrzeuge ­abgeleitet.

19.40 Uhr Schreie und 
Tränen in Fußgängerzone

Panik. Auch in der Münchner Innenstadt bricht Panik aus. Menschen rennen durch die Fußgängerzone in Richtung Stachus. Es habe Schüsse gegeben, heißt es. Frauen schreien, weinen. Zahlreiche schwer bewaffnete Polizeibeamte rasen heran. Fehlalarm. Kurz danach werden Schüsse im Brauhaus Franziskaner gemeldet – wieder Fehlalarm. David Baum, ein österreichischer Journalist in München: „Ich war bei einer Ausstellung. Dann der Alarm. Wir versteckten uns unter den ­Tischen, in den Klos. Es war Panik pur.“

22.37 Uhr Toter aufgefunden

Getötet. Der Attentäter von München ist nach derzeitigem Ermittlungsstand ein 18-jähriger Deutsch-Iraner aus München. Dies teilte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä in der Nacht auf Samstag in einer Pressekonferenz mit. Der Mann habe sich nach bisherigen Ermittlungen nach der Tat selbst getötet. Er sei zuvor aber auch von Zivilpolizisten angeschossen worden.

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