Er gehört zu den einflussreichsten Managern im deutschsprachigen Raum: Der Investor Paul Achleitner, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank von 2012 bis 2022. Der Linzer (69) schont in einem aktuellen Interview mit der "Kleinen Zeitung" niemanden. Ob Künstliche Intelligenz, die USA oder Führungsqualitäten: der Investor hat stets eine klare Meinung.
KI: Segen oder Fluch?
Für Achleitner steht außer Frage, dass die Künstliche Intelligenz unsere Welt ähnlich grundlegend umkrempeln wird wie einst die Elektrizität. Deren wahre Tragweite sei damals ebenfalls erst Jahre später begriffen worden. Wie sich der Markt genau entwickeln wird, lässt er offen. Doch eines sei für ihn bereits jetzt absolut sicher: "Das Einzige, was Künstliche Intelligenz übertreffen wird, ist menschliche Dummheit."
Europa warnt er davor, sich im KI-Wettlauf auf der Technologie auszuruhen. Leistungsfähige Rechenzentren würden nicht überflüssig, so der Finanzexperte. Gleichzeitig ortet er aber eine große Chance: Wenn man die Technologie verantwortungsvoll einsetze, könne man die Bevölkerung besser abholen und mitnehmen.
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Zukunftsangst? "Ignore the noise!"
Sorgen bereitet dem Investor weniger die Technologie selbst, sondern vielmehr der wachsende Pessimismus in der Gesellschaft. Entscheidend sei die Grundhaltung: Blicken die Menschen optimistisch nach vorne oder lassen sie sich von Ängsten lähmen?
Ständiges Jammern und Lamentieren lehnt Achleitner entschieden ab. Sein Rat an Führungskräfte und die Gesellschaft gleichermaßen: sich auf das Wesentliche konzentrieren: "Ignore the noise".
"Die Soft Power der USA ist weg"
"Dass wir in den USA von dem Yes-We-Can-Attitude zu einer Because-I-Can-Attitude gekommen sind, ist natürlich schon ein Problem", sagt er in Richtung USA. Trotz aller Kritik rät er jedoch davor, die USA wirtschaftlich und technologisch abzuschreiben. Dafür sei das Land weiterhin eine zu mächtige Supermacht. Dennoch: Der Einfluss auf die Welt schwindet.: "Die Soft Power der USA ist weg."
Wer heute führen will, braucht laut Achleitner mehr als nur große Worte. Er warnt davor, sich von charismatischen Auftritten blenden zu lassen. Kompetenz und das richtige Maß an Ego seien entscheidend. Entscheidend sei nicht die Eloquenz, sondern ob eine Führungskraft ihr Ego kontrolliere.
Die eiserne Regel
Obwohl Achleitner finanziell längst ausgesorgt hat, ist er noch immer aktiv. Das vor allem in Start-ups. Bei der Auswahl seiner Geschäftspartner und Projekte hat er heute eine denkbar einfache, aber kompromisslose Regel. Im Interview mit der "Kleinen Zeitung" stellt er klar: "Ich habe einen einfachen Grundsatz, den ich jetzt genauso formuliere, wie ich ihn denke. Ich habe mir das Recht verdient, nicht mehr mit Arschlöchern zusammenzuarbeiten. Und das ist eines meiner wichtigsten Selektionskriterien." Für potenzielle Geschäftspartner gilt also: Charakter zählt oder der Deal ist geplatzt.
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