Prozess
Betrüger-Bande fälschte Ausweise und eröffnete mehr als 200 Bankkonten
Wien. Wegen des Betruges mit hunderten gestohlenen Identitäten sind am Dienstag im Wiener Straflandesgericht drei Männer schuldig gesprochen worden. Der mutmaßliche Kopf der Bande (35) bekam dreieinhalb Jahre Haft. Seine Helfer, einer davon hatte eine Fälscherwerkstatt für Ausweise in seiner Wohnung, bekamen teilbedingte Haftstrafen und konnten heute bereits das Gefängnis verlassen. Die Urteile der beiden sind bereits rechtskräftig, das des Hauptangeklagten noch nicht.
Die Gruppierung hatte Ausweise gefälscht und sie für Kontoöffnungen genutzt. Damit bestellten sie hochpreisige Mobiltelefone, zahlten sie nicht, aber verkauften sie lukrativ.
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13 Monate in U-Haft
Der mutmaßliche Chef der Gruppe, der seit 13 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, und sein Assistent wurden wegen des gewerbsmäßig schweren Betrugs, wegen der Fälschung besonders geschützter Urkunden und wegen des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs verurteilt. Der Helfer erhielt zwei Jahre Haft, davon acht Monate fix. Dem Ausweisfälscher konnte kein Betrug, aber die Ausweisfälschung nachgewiesen werden, er bekam ebenfalls zwei Jahre teilbedingt, davon sechs Monate Haft. Da die beiden bereits ihre Haftstrafe in der U-Haft abgesessen hatten, wurden sie nach der Verhandlung in Freiheit entlassen.
Eine erste Verhandlung gegen zwei der drei fand bereits im Mai statt. Weil allerdings im März der dritte Täter festgenommen wurde, vertagte das Schöffengericht, bis die Ermittlungen auch gegen ihn abgeschlossen waren.
Anzeigenflut
Die Bande - am Dienstag anwaltlich vertreten von Alexander Philipp, Melanie Kolar (Kanzlei Rast & Musliu) und Zaid Rauf - dürfte im November 2024 mit ihren kriminellen Aktivitäten begonnen haben, weil da kam es zu einer Anzeigenflut vonseiten von Banken, die von Kontoeröffnungen mit gefälschten Personalausweisen im Scheckkartenformat berichteten. Den Bankern fiel auf, dass die Ausweise immer das gleiche Foto zeigten, nur mit unterschiedlichen Identitäten.
Bis zum Sommer 2025 wurden mehr als 200 Konten eröffnet. Mit diesen bestellten die Beschuldigten bei den größten Handyanbietern unter den Namen der Opfer hochpreisige Mobiltelefone online. Die Ware ließen sie an Adressen liefern, wo niemand wohnt, oder an Paketshops, die nicht videoüberwacht waren. Dort wurden die Handys dann mit den gefälschten Ausweisen abgeholt. Mit den eröffneten Konten täuschten sie den Händlern Liquidität vor.
Gruppe war hierarchisch aufgebaut
Die Polizei fand heraus, dass die Gruppierung hierarchisch aufgebaut war. Bei den nun angeklagten Männern mit russisch-tschetschenischem Hintergrund soll es sich um die Haupttäter gehandelt haben. Der Kopf der Bande war auch unter dem Pseudonym "Inko1" im Darknet unterwegs und verkaufte dort die gefälschten Ausweise für 600 Euro. Er widersprach am heutigen Verhandlungstag, der Chef der Gruppe gewesen zu sein. Er sei erst später dazugestoßen und habe mit dem Aufbau der Strukturen nichts zu tun gehabt. Auch sein Verteidiger Philipp meinte: "Es gibt Hintermänner, aber das sind nicht die, die hier sitzen."
Sein Komplize war der Fälscher, der auf der Loggia seiner Wohnung in Floridsdorf die Fälscherwerkstätte betrieb. Die Polizei stellte bei ihm Drucker, Hydraulikpresse, Computer, Laser und Epoxidharz sicher. Der 44-Jährige gab sich am heutigen Verhandlungstag wortkarg. Auf die Fragen der Richterin sagte er meist "Ich weiß es nicht", "Keine Ahnung" oder "Es gibt nichts zu sagen." Er wusste weder, woher er sein Equipment hatte, noch wie viele Ausweise er gefälscht hatte oder wie viel Geld er dafür bekommen hatte.
Der dritte Verdächtige war der Assistent der beiden anderen, der die Ausweise vorbereitete und versendete. Weiter unten in der Hierarchie waren drei Recruiter, die die Läufer anwarben und diese zu den Kontoeröffnungen und den Handyabholungen begleiteten. Bei den Läufern handelte es sich meist um Menschen mit massiven Geldproblemen, die in kurzer Zeit an viel Geld kommen wollten. Pro Einsatz erhielten sie 200 bis 400 Euro.
Auf den Haupttäter "Inko1" kam die heimische Polizei über Ermittler in Deutschland. Bei einer Operation namens "Widow" gegen das Darknet wurde dort die kriminelle Online-Handelsplattform "Crimenetwork" abgeschaltet und die Betreiber festgenommen.
Die deutschen Ermittler wiesen die österreichischen Behörden darauf hin, dass dort jemand unter dem Pseudonym "Inko1" die österreichischen Ausweise im großen Stil verkauft. Und dieser "Inko1" machte einen großen Fehler. Für seine Machenschaften eröffnete der im Wiener Bezirk Favoriten lebende Mann ein Kryptokonto, um die erwirtschafteten Gelder dort abzulegen. Dazu benutzte der Mann seinen echten Ausweis.
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