Grillsaison
Bierdusche & Co.: Die größten Grillmythen im Check
Der Duft von Würstchen, saftigem Fleisch, knackigem Gemüse und würzigem Grillkäse gehört zu den schönsten Aromen des Sommers. Doch damit beim Grillen nicht nur Rauch, sondern auch kulinarischer Genuss entsteht, braucht es mehr als heiße Kohlen. Zwischen hilfreichen Tipps und hartnäckigen Grillmythen liegt oft nur ein schmaler Grat. Damit der nächste Grillabend zu einem gelungenen Fest wird, sollte man folgende Fehler unbedingt vermeiden.
Mythos 1: Die Bierdusche
Sie denken, ein ordentlicher Schuss Bier über das brutzelnde Fleisch sorgt für eine geniale Kruste und das ultimative Grillaroma? Damit liegen Sie leider falsch.
Das Ablöschen mit Bier ist ein absoluter Anfängerfehler. Wenn Sie das kalte Getränk über Ihr Grillgut kippen, waschen Sie im schlimmsten Fall nur die leckere Marinade ab. Noch viel schlimmer: Durch die Flüssigkeit sinkt die Temperatur schlagartig, zudem wird Asche aufgewirbelt, die danach an Ihrem Fleisch klebt. Tropft das Bier mit dem Fett in die Glut, entstehen krebserregende Stoffe und giftige Rauchwolken. Trinken Sie das kühle Blonde also lieber selbst. Für den typischen Geschmack legen Sie das Fleisch besser schon am Vortag in eine Bier-Marinade ein.
Mythos 2: Der Piekser (Fleisch einstechen oder einschneiden)
Um das Fleisch zu wenden, nehmen viele eine Fleischgabel. Und um zu prüfen, ob es durch ist, schneidet man es einfach mal kurz auf dem Grill ein.
Doch das ist keine gute Idee. Wenn Sie mit einer Gabel tief in die Muskelfasern stechen, öffnen Sie die Schleusen. Der Fleischsaft tropft aus, das Fleisch verliert Feuchtigkeit und wird trocken. Obendrein gibt es Stichflammen durch das herabtropfende Fett. Arbeiten Sie immer mit einer guten Grillzange. Um den Garpunkt zu checken, nutzen Sie am besten ein digitales Fleischthermometer.
Mythos 3: Den Rost nicht reinigen für besseres Aroma
Der Mythos: Echte Grillmeister schrubben ihren Rost nicht blitzblank. Das schwarze Zeug vom letzten Mal nennt man "Patina" – das gibt erst den richtigen Geschmack.
Die Wahrheit: Lecker... altes, ranziges Fett von letzter Woche! Ruß und fettige Verkrustungen sind keine geheime Gewürzmischung, sondern ruinieren das Geschmackserlebnis Ihres frischen Steaks durch bittere, verbrannte Aromen und schädlichen Qualm. Nach dem Grillen (oder vor dem nächsten Einsatz) den Grill bei maximaler Hitze ordentlich ausbrennen lassen. Danach schnappen Sie sich eine gute Grillbürste und schrubben die verkohlten Reste ab. Ein sauberer Grillrost ist das Fundament für puren BBQ-Genuss.
Mythos 4: Der Alufolien-Irrtum
Um den Grillrost nicht schmutzig zu machen, packt man Schafskäse, Grillgemüse oder marinierten Fisch am besten immer fest in Alufolie ein.
Bequem, aber potenziell ungesund. Säure (z. B. aus Zitronenscheiben, Tomaten oder Marinaden) und Salz lösen Aluminiumteilchen aus der Folie. Diese gehen dann direkt in Ihr Essen über. Da Aluminium im Verdacht steht, gesundheitsschädlich zu sein, hat es bei sauren und salzigen Lebensmitteln nichts zu suchen. Nutzen Sie lieber kleine gusseiserne Pfännchen, Edelstahl-Grillkörbe oder Grillschalen aus Emaille. Das sieht besser aus, ist gesünder und schont die Umwelt.
Mythos 5: Vom Kühlschrank auf den Grill
Fleisch verdirbt schnell, also sollte man es am besten eiskalt direkt vom Kühlschrank auf den heißen Grill werfen?
Legen Sie ein eiskaltes Steak auf den 250 Grad heißen Rost, ziehen sich die Fasern abrupt zusammen. Bis der eisige Kern endlich Medium ist, ist die Außenseite längst zur Kohle-Schuhsohle verbrannt. Nehmen Sie Rind, Schwein oder Lamm gut 30 Minuten vor dem Grillen aus der Kühlung, damit es Zimmertemperatur annehmen kann. (Ausnahme: Faschiertes, Fisch und Geflügel sollten aus hygienischen Gründen bis kurz vor der Zubereitung gekühlt bleiben).
Mythos 6: Das Einmal-Wenden-Gebot
Viele denken, ein echtes Steak darf nur ein einziges Mal gewendet werden, ansonsten wird es zäh und der Garprozess wird gestört.
Das ist jedoch völliger Quatsch. Tatsächlich führt regelmäßiges Wenden (natürlich mit der Zange, nicht mit der Gabel!) dazu, dass die Hitze viel gleichmäßiger durch das Fleisch wandert. Es gart sogar minimal schneller, der Rand verbrennt nicht so leicht und das Innere wird gleichmäßig rosa. Nur wenn Sie das typische Grillmuster (Branding) perfektionieren wollen, müssen Sie etwas auf die Ausrichtung der Grillstreifen achten.
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