oe24.TV-Interview

Blümel: Kurz "bleibt ein politischer Mensch"

Ein Mann im Anzug steht vor einem modernen, digitalen Studiohintergrund.
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Ex-Finanzminister Gernot Blümel im oe24.TV-Interview.
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Ex-Finanzminister Gernot Blümel über türkise Comeback-Gerüchte, sein Leben nach der Politik und sein neues Buch, das im August erscheint.

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Ehem. Finanzminister Gernot Blümel im Interview | Isabelle Daniel


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oe24.TV: Herr Blümel, ich fange mit den neuesten Spekulationen an, wonach es eine neue gemeinsame Liste von Tirols Ex-SPÖ-Chef Georg Dornauer, dem Unternehmer Stephan Zöchling und Sebastian Kurz geben könnte. Sind Sie da auch dabei?

Gernot Blümel: Habe ich noch nicht gehört, aber ich habe vieles von dem noch nicht gehört. Und deswegen erkennt man an dieser Gerüchtelage, glaube ich, sehr gut, dass das Sommerloch jetzt endgültig hereingebrochen ist. Denn so viel an Substanzlosigkeit habe ich eigentlich schon lang nicht mehr gehört in der Gerüchteküche.

Zwei Personen sitzen im Fernsehstudio für ein Interview mit dem Titel "Isabelle Daniel".
Gernot Blümel im Interview mit Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel. © oe24.TV

oe24.TV: Man muss dazu sagen, dass Dornauer Gespräche mit dem Red-Bull-Erben Mark Mateschitz als möglichen Finanziers und offenbar auch Zöchling bestätigt hat. Glauben Sie, Sie haben ja auch einige Parteigründungen erlebt, könnte so ein Konzept funktionieren?

Blümel: Also ich tue mir schon immer wieder schwer, wenn ich dazu gefragt werde, was denn Sebastian Kurz eigentlich denkt und möchte. Aber wenn ich dann gefragt werde, was jemand wie Georg Dornauer oder der Herr Zöchling denken und wollen, da bin ich mit meinem Latein dann wirklich am Ende. Das weiß ich schlicht und ergreifend nicht.

oe24.TV: Sebastian Kurz hat aber zuletzt wieder so gewisse Sachen gemacht: Er hat FPÖ-Chef Herbert Kickl getroffen, er war bei einem Heurigen von Johanna Mikl-Leitner und er hat im Eingangsbereich vom Fabios, damit es wirklich jeder mitkriegt, den Stephan Zöchling getroffen. Was plant Kurz?

Blümel: Ich kann da wirklich nur ganz fad das sagen, was ich empfinde. Nämlich, dass er für sein Unternehmen, das er sehr erfolgreich aufgebaut hat über die letzten drei Jahre, wirklich viel international unterwegs ist. Das ist doch ein spannender Bereich. Es geht um künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Völlig klar ist aber, er bleibt ein politischer Mensch, ich bleibe ein politischer Mensch. Ich würde aber davor warnen, in jedes Treffen, das der Sebastian Kurz jetzt in der Öffentlichkeit oder nicht in der Öffentlichkeit mit jemandem hat, das alles unter eine politische Überschrift zu stellen. Ich verstehe die Lust daran, das zu debattieren. Aber man darf nicht vergessen, ein erfolgreicher Unternehmer ist man auch nur dann, wenn man netzwerkt, wenn man viele Kontakte hat.

oe24.TV: Aber Politik ist ja auch ein bisschen wie eine Sucht.

Blümel: Ja, natürlich. Und deswegen werden wir auch nie aufhören, über Politik zu sprechen, zu debattieren. Aber wir haben uns schon beide, so empfinde ich das, eines vorgenommen nach unserer Zeit in der Politik: jetzt nicht die österreichische Innenpolitik zu kommentieren.

oe24.TV: Es geht ja auch nicht darum, dass er gerne Chef-Kommentator werden würde, sondern dass man schon den Eindruck haben könnte, er überlegt, ob er eine Rückkehr in die Politik machen soll - entweder mit der ÖVP oder einer Liste Kurz.

Blümel: Vielleicht, um es abzugrenzen: Ich kann es für mich mit Sicherheit sagen, dass ich kein politisches Amt anstrebe.

oe24.TV: Schließen Sie es für immer aus?

Blümel: Ich bin jetzt knapp 45 Jahre, der Trump ist über 80. Wenn ich in Moosbrunn für den Gemeinderat kandidiere, kann ich mit dem Interview konfrontiert werden. Aber auch der Sebastian Kurz hat noch ein langes Leben vor sich. Das ist vielleicht auch einer der Unterschiede zwischen früheren Parteiobleuten und Sebastian Kurz. Frühere Parteiobleute sind meistens aus der Politik direkt in die Pension gegangen. Da war dann die Versuchung auch gar nicht so groß, denen eine Rückkehr zu unterstellen oder Rückkehrgelüste.

oe24.TV: Sie wollen die Innenpolitik ja nicht per se kommentieren. Aber die Umfragen für ÖVP und SPÖ sind schlecht, die FPÖ führt meilenweit. Kann man so etwas noch drehen?

Blümel: Die Dinge sind nicht in Stein gemeißelt. Es ist kein Naturgesetz, dass sogenannte Mitte-Parteien, jetzt überall untergehen müssen. Die drei Grundprobleme sind folgende: Das erste ist ein starker Zuzug, also die ungeregelte Migration aus kulturfremden Ländern. Das zweite ist eine Art von institutioneller Sklerose durch eine totale Überregulierung, wo der Staat im Kleinen oft übergriffig wirkt und im Großen machtlos. Und das dritte ist ein Effekt der Postmoderne, wo wir nicht mehr wissen dürfen, was ist eigentlich normal und was ist nicht normal. Und sobald man sagt, ich bin normal, wird man eigentlich fast schon gedisst.

oe24.TV: Sie haben jetzt ein Buch über Philosophie geschrieben. Worum geht es da?

Blümel: Die Beschäftigung mit dem Thema ist eigentlich über meine berufliche Tätigkeit gekommen, die ich seit dreieinhalb Jahren ausüben darf. Wir bauen einen Forschungspark für künstliche Intelligenz in der digitalen Medizin auf in Venedig, am Lido von Venedig, mit dem Projekt Mare. Da ist der Rückgriff auf die Philosophie für mich eigentlich eine offensichtliche gewesen, denn ganz viele Fragen der abendländischen Geistesgeschichte, die wir eigentlich als beantwortet angesehen haben - nämlich: Was ist der Mensch eigentlich, was ist das Besondere am Menschen? Die Vernunft, die Vernunftbegabtheit -  stellen sich in einer Zeit neu, wo Maschinen plötzlich sprechen und denken können. Und damit beschäftigt sich das Buch.

oe24.TV: Was ist Ihre Meinung, was man tun sollte?

Blümel: Ich weiß nicht, ob man, bevor das Buch erscheint, schon die Pointe verraten darf. Aber es geht letztlich um eine Beschäftigung mit der Frage, was in einer Gesellschaft, die auf Basis von Demokratie und Menschenrechten fußt, eine Begründung für die Würde des Menschen sein kann, wenn die Vernunft auf Maschinen zukommt. Und da gibt es einige Möglichkeiten. Eine davon ist eine etwas antiquiert scheinende, aber eine, die sehr stark immunisiert gegen alle Probleme im fundamentalphilosophischen Bereich mit KI, nämlich die Begründung der Würde des Menschen in der Gottes-Ebenbildlichkeit.

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