Glücksforschung
"Geld macht nicht glücklich"? Studie entlarvt altes Ammenmärchen
Lange galt in der Glücksforschung eine klare Grenze: Bis zu einem Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar (ca. 64.000€) stieg die tägliche Lebenszufriedenheit. Darüber hinaus sollte der Effekt weitgehend stagnieren. Zu diesem Ergebnis kam eine viel beachtete Studie aus dem Jahr 2010.
Doch eine Neubewertung aus dem Jahr 2023 stellte diese Annahme infrage. Demnach steigt das Wohlbefinden bei den meisten Menschen auch mit einem höheren Einkommen weiter – und zwar teilweise bis zu rund 500.000 Dollar pro Jahr, also etwa 429.000 Euro brutto.
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Für manche kommt die Glücksgrenze früher
Allerdings gilt das nicht für jeden. Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen flacht der Zusammenhang deutlich früher ab. Ab einem Jahreseinkommen von ungefähr 100.000 Dollar (86.000€) steigt ihr Wohlbefinden kaum noch.
Warum das so ist, lässt sich nicht mit einem einzigen Grund erklären. Eine Rolle können psychische Belastungen, dauerhafte Sorgen oder auch steigende Ansprüche spielen.
Denn mehr Geld kann schnell zu einem höheren Lebensstandard führen – und genau dieser wird irgendwann zur neuen Normalität.
Die "hedonistische Tretmühle"
Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel bezeichnet dieses Phänomen als "hedonistische Tretmühle".
Das Prinzip ist einfach: Mit mehr Geld wachsen häufig auch die Wünsche. Das größere Auto, die bessere Wohnung oder der teurere Urlaub fühlen sich nach einiger Zeit nicht mehr wie Luxus an, sondern werden selbstverständlich.
Auch der Vergleich mit anderen kann die Zufriedenheit bremsen. Wer ständig darauf schaut, was sich andere leisten können, setzt sich selbst unter Druck.
Der Kontostand wächst dann zwar – das Glück aber nicht unbedingt.
Geld ausgeben kann glücklicher machen
Entscheidend ist offenbar nicht nur, wie viel Geld jemand besitzt, sondern auch, wofür es ausgegeben wird.
Eine internationale Studie von Forschern der University of British Columbia und der Harvard Business School aus dem Jahr 2013 kam zu einem interessanten Ergebnis: Menschen, die Geld für andere ausgeben – etwa für Geschenke oder Spenden – berichten häufig von größerem Wohlbefinden als Menschen, die ihr Geld ausschließlich für sich selbst verwenden.
Damit kann selbst ein vergleichsweise kleiner Betrag einen Unterschied machen.
Die alte Weisheit "Geld macht nicht glücklich" stimmt also nur teilweise. Geld kann Sorgen nehmen und das Leben angenehmer machen – irgendwann entscheidet aber offenbar stärker, was Menschen daraus machen.
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