THEMA DER WOCHE

Halloween: So kam es zu Schoko-Schock

Kinder in Halloween-Kostümen sammeln Süßigkeiten; links Süßigkeiten mit Nadeln als Warnung.
© Getty Polizei: Süßes oder Saures -  für KInder sidn die Umzüge schon Brauchtum.
Mit Nägeln, Schrauben, Zahnstochern und anderen Gegenständen manipulierte Süßigkeit - vom heurigen Halloween-Fest blieb vor allem der Schoko-Schock im Gedächtnis. Doch wie kam es überhaupt dazu?
OE24 auf Google bevorzugen

Mehr als 80 Fälle in Deutschland, 21 in Österreich, dazu gleichlautende Berichte aus Ungarn, Norwegen, Irland oder Kanada - wie ein Tsunami ging es plötzlich dem jungen (bei älteren Europäern oft verhassten, weil Allerheiligen verdrängenden) Brauch an den Kragen, dass Kinder sich gruselig verkleiden und von Tür zu Tür pilgern, um "Süßes oder Saures" (Trick or Treat) skandierend Naschereien abzustauben. Stündlich tauchten neue Berichte auf, wonach Eltern inmitten der Süßigkeiten auch Schokoriegel, Zuckerln oder Kaugummis gefunden hätten, die mit gegenständlich scharfem Inhalt präpariert waren, damit sich die Kinder verletzten, wenn sie reinbeißen oder daran lutschen.

Obwohl es zum Glück zu keinen schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen ist und sich niemand verletzt hat, wurde in Österreich im Bundeskriminalamt sogar eine eigene Sonderkommission, die "SOKO Treat", ins Leben gerufen, um die möglichen Urheber der um sich greifenden Schoko-Verunsicherung auszuforschen - wobei von Anfang an klar war, dass hier möglicherweise nicht nur eine Täterschaft oder Gruppierung, eine TikTok-Challenge oder ein Aufruf auf anderen sozialen Medien handeln, sondern um ein Massenphänomen, das von verschiedenen mit den unterschiedlichsten Motiven Seiten befeuert wird.

14-Jährige wird wegen Vortäuschung angezeigt

Echte Warnung - oder macht sich da jemand als Trittbrettfahrer(in) wichtig.
Echte Warnung - oder macht sich da jemand als Trittbrettfahrer(in) wichtig bzw über die um sich greifende Verunsicherung lustig? © Facebook

Wo auch immer der "Trend" seinen Anfang genommen hat, die Ausuferungen sind, wie es heutzutage heißt, krass: Vier Fälle, einer in Wien und einer in Oberösterreich sowie zwei in der Steiermark, gelten als insofern als geklärt, als es die Kinder bzw. Teenies selbst waren, die ihre bei den Umzügen erbeuteten Snacks nachträglich selbst mit Nadeln und dergleichen präparierten, um ihre Eltern zu erschrecken. So wurde eine 14-Jährige in der Donaustadt wegen des Verdachts der Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung - die ihre Eltern angezeigt hatten - angezeigt. Theatralisch soll das Mädchen, als sie daheim von der Schoko abbiss, einen Nagel ausgespuckt haben. Bei der Polizeibefragung nach der Anzeige ihrer Mutter gab sie dann kleinlaut alles zu.

In einem zweiten Fall im selben Bezirk (wo eine weitere Mutter ein sauber eingewickeltes Kinderüberraschungs-Schokoei und daneben eine kleine Schraube auf Facebook postete) gibt es derzeit keine Anhaltspunkte, dass das Naschwerk selbst bzw. überhaupt manipuliert wurde. Die Polizei ermittelt weiterhin in alle Richtungen.

Präparierte Halloween-Süßigkeiten.
Präparierte Halloween-Süßigkeiten. © Polizei

Wunsch, Angst auszulösen und Chaos zu stiften

Der Autor dieser Zeilen indes hegt folgenden Verdacht, dass in Zeiten von Fake News, KI-Inhalten und sowie einer permanenten (Reiz-)Überflutung von schnell her- und wegwischbaren Storys und Anekdoten ein einzelner Spaßvogel, ein Internet-affiner Halloween-Hasser vielleicht oder eine bösartige KI eine "lustige Idee" gehabt hat und ein manipuliertes Foto ins Netz hochgeladen hat, das dann unkritisch von Handy zu Handy weitergereicht und wie kleine stete Naschereien konsumiert zum genannten Tsunami wurde. Der Übergang von der digitalen Welt zur realen Tat war dann durch die Art der Verteilung begünstigt: Man kann davon ausgehen, dass tatsächlich präparierte Naschsachen in jenen Schüsseln zur freien Entnahme platziert wurden, die von Wohlwollenden vor die Tür gestellt werden, die das Geklingel nicht mögen. Jeder konnte bzw. könnte so im Vorbeigehen unbemerkt alles Mögliche dazulegen.

Der Wunsch in der Gesellschaft, Angst auszulösen, Chaos zu stiften und soziale Unruhe zu erzeugen, ist leider salonfähig geworden. Und die Unsitte, Unsinn nachzumachen, wenn man es Challenge nennt, leider auch.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden