Kriegsgeschehen

Jetzt droht Mega-Eskalation im Iran

Donald Trump winkt am Flughafen, begleitet von einer Militärangehörigen, im Hintergrund Flugzeuge.
© APA/AFP/MANDEL NGAN
Nach dem Tod zweier US-Soldaten infolge iranischen Beschusses und der nächtelangen US-Bombardements im Iran schwören beide Seiten Rache - womit eine gefährliche Eskalationsspirale droht.
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Das US-Militär griff in der Nacht auf Sonntag - der achten in Folge - Ziele im Iran an, teilte das Regionalkommando CENTCOM mit. Sie zielten auch darauf ab, die iranischen Revolutionsgarden, die zuvor Angriffe auf amerikanische Soldaten in Jordanien verübt hätten, "schnell zu bestrafen".

Irans oberster Führer Ayatollah Mojtaba Khamenei hatte seinerseits mit Racheakten gedroht. Khamenei, der sich bisher noch nie öffentlich gezeigt hat, ließ in einer Erklärung mitteilen: "Da der amerikanische Feind nun auf Kriegstreiberei, die Übernahme noch schwererer Kosten und eine noch größere Schande aus ist, soll er wissen, dass das geliebte iranische Volk und die Widerstandsfront unvergessliche Lektionen für ihn bereithalten."

Mehrere Frauen in schwarzer Kleidung halten Portraits von Ayatollah Ali Khamenei.
© APA/AFP/IBRAHIM AMRO

Bisher 16 tote US-Soldaten

Es war das erste Mal seit den Anfangstagen des Iran-Krieges, den die USA und Israel am 28. Februar gemeinsam begonnen hatten, dass das US-Militär wieder Tote durch iranischen Beschuss meldete. Die beiden Soldaten seien am Freitag in Jordanien ums Leben gekommen, als sich die US-Streitkräfte und Verbündete gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten, teilte CENTCOM mit. Ein weiterer Soldat werde noch vermisst. Die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 16.

Der Iran habe sich auf die US-Abwehrsysteme eingestellt und feuere Raketen ab, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen und während ihres Sturzflugs manövrieren könnten, zitierte das "Wall Street Journal" US-Beamte. Die Fähigkeit des Irans, empfindliche Ziele zu treffen, schüre Befürchtungen, dass Teheran bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhält.

Trump: "Sehr traurige Sache"

Der Druck auf US-Präsident Donald Trump, der sich im eigenen Land angesichts des dort unpopulären Krieges ohnehin mit Unzufriedenheit konfrontiert sieht, dürfte mit dem Tod der US-Soldaten weiter steigen. Der US-Sender NewsNation zitierte ihn nach einem Gespräch über die Todesfälle mit der Aussage, dass das "eine sehr traurige Sache" sei. "Wir sehen das ungern", sagte er und bekräftigte einmal mehr, der Iran dürfe keine Atomwaffen haben.

Im Iran starben nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums seit der neuen Eskalation mit den USA mindestens 50 Menschen. Mehr als 500 weitere Menschen wurden demnach bei den jüngsten Angriffen des US-Militärs verletzt. Die Regierung in Teheran berichtet in der Regel nur über zivile Opfer. Über Verluste unter den eigenen Streitkräften gibt es keine offiziellen Daten.

Berichte im Iran über US-Raketen

Wie CENTCOM am Morgen nach Abschluss der neuen Angriffswelle mitteilte, seien "erfolgreich" militärische Küstenüberwachungs- und Flugabwehranlagen sowie Raketen- und Drohnenlagerstätten angegriffen worden. Das US-Militär will nach eigenen Angaben mit den Luftangriffen auch die Fähigkeit des Irans, die Handelsschifffahrt in der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormuz zu bedrohen, weiter schwächen.

Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim berichtete am frühen Morgen Ortszeit, dass mindestens sechs Raketen in Gebieten am Rande der Insel Qeshm im Persischen Golf eingeschlagen seien. Einzelheiten gab es dazu zunächst nicht.

Ein Soldat geht an einem Plakat zu den Islamabad-Gesprächen zwischen USA, Pakistan und Iran vorbei.
© APA/AFP/FAROOQ NAEEM

Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi erklärte laut der Nachrichtenagentur Fars, man habe das Mitte Juni mit den USA vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt und fühle sich nicht mehr daran gebunden. Trump sagte dazu nach Angaben von NewsNation, das sei ihm "völlig egal".

Vereinbart im Abkommen war, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zur Beendigung des Krieges auszuhandeln. Auch sollte die Straße von Hormuz geöffnet werden. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump jedoch selbst kürzlich für beendet erklärte. Seit Anfang Juli eskaliert es wieder.

Emirate fordern "sofortigen Stopp der Eskalation"

Die Vereinigten Arabischen Emirate fordern "ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch". Ohne die USA und den Iran namentlich zu erwähnen, mahnte das Außenministerium der Emirate auf der Plattform X einen "sofortigen Stopp der Eskalation" und äußerste Zurückhaltung an, "um gefährliche Auswirkungen und ein Abgleiten der Region in ein neues Ausmaß an Gewalt und Instabilität zu verhindern".

Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, es werde immer deutlicher, "dass die Ereignisse allmählich außer Kontrolle geraten". Angesichts des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, der zunehmend erschöpften Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, "ist das Risiko einer weiteren Eskalation mittlerweile größer als die Aussichten auf eine Deeskalation".

Experte warnt vor Ausweitung des Konflikts

Die Kombination aus Trumps Vorgehen und der Machtdemonstration Teherans während der Beerdigung des getöteten Staatsoberhauptes Ali Chamenei scheine die Überzeugung bei Schlüsselpersonen der Revolutionsgarden bestärkt zu haben, dass sie nicht nur über ausreichend innenpolitische Rückendeckung verfügen, sondern auch kaum eine andere Wahl haben, als ihre Reaktion auf die US-Angriffe zu verschärfen, schrieb Citrinowicz.

Unter diesen Umständen werde es äußert schwierig, "die Eskalationsspirale unter Kontrolle zu halten", schrieb der Experte und warnte vor einer Ausweitung des Konflikts, in den die mit Washington verbündeten Golfstaaten noch direkter hineingezogen werden könnten. Sofern sich nicht bald etwas Wesentliches ändere, steuere der Konflikt auf eine "weitaus gefährlichere Phase" zu, die für beide Seiten immer schwerer einzudämmen sein könnte.

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