Düstere Prognose

Ebola: Tödliche Epidemie gerät völlig außer Kontrolle

Mitarbeiter in Schutzanzügen tragen einen roten Sarg aus einer Klinik in der Demokratischen Republik Kongo.
© EPA
Die Warnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO werden immer deutlicher: Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo wächst schneller als jede frühere Epidemie.
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Innerhalb von nur zwei Monaten wurden bereits 2073 Fälle bestätigt, und 796 Menschen starben an den Folgen der Infektion. Damit hat sich die Epidemie schon jetzt zur drittgrößten in der Geschichte entwickelt. Wie dramatisch die Lage vor Ort ist, zeigt der Vergleich zum schweren Ausbruch im Kongo zwischen 2018 und 2020: Damals dauerte es mehr als zehn Monate, bis die Marke von 2000 bestätigten Fällen erreicht wurde.

Unbekannte Wege des Virus

Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass die Behörden einen großen Teil der Ansteckungsketten noch immer nicht kennen. Laut WHO-Chef Tedros Ghebreyesus werden mehr als 80 Prozent der neuen Fälle außerhalb der bereits identifizierten Kontaktlisten entdeckt. Zudem ereigneten sich rund zwei Drittel der Todesfälle direkt in den Gemeinden. Diese Menschen haben nie ein Krankenhaus oder ein spezialisiertes Behandlungszentrum erreicht.

Die deutlichen Warnungen der Organisation sind auch eine Reaktion auf die heftige Kritik nach der Ebola-Epidemie im Jahr 2014. Damals wurde der WHO vorgeworfen, den internationalen Gesundheitsnotstand zu spät ausgerufen und die weltweite Hilfe zu langsam in Gang gesetzt zu haben. In der Folge konnte sich das Virus über Guinea, Liberia und Sierra Leone nahezu ungehindert ausbreiten. Die WHO reagierte seinerzeit erst auf massiven Druck von Hilfsorganisationen, allen voran Ärzte ohne Grenzen (MSF). Letztlich starben damals über 11.000 Menschen.

Kampf gegen Fake-News

Aus diesen Fehlern hat die Organisation zweifellos gelernt, doch auch dieses Mal läuft die medizinische Hilfe dem Erreger hinterher. Zwar wurde die Behandlungskapazität im Ostkongo inzwischen auf mehr als 800 Plätze ausgeweitet und die Zahl der Labore stieg von einem auf 16 an. Dennoch räumt Tedros ein, dass der Ausbruch die Reaktion weiterhin "überholt". Für die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie.

Medizin allein wird im Krisengebiet jedoch nicht reichen. Das Epizentrum liegt in der umkämpften Provinz Ituri, wo bewaffnete Gruppen den Zugang massiv erschweren. Behandlungszentren wurden angegriffen und Helfer geschlagen. Zudem verbreiten Falschinformationen die Behauptung, dass Ebola gar nicht existiere oder das medizinische Personal die Menschen absichtlich infizieren wolle. Falschinformationen seien der größte Alliierte von Ebola, erklärte Wessam Mankoula von der Gesundheitsbehörde Africa CDC. Falsche Gerüchte verzögerten wichtige Behandlungen und gäben dem Virus mehr Gelegenheit, sich weiter auszubreiten.

Eine Person in Schutzkleidung versorgt einen Patienten in einer Isolierstation.
TOPSHOT - A doctor provides care to a patient with Ebola virus disease at the Rwampara Ebola Treatment Centre (ETC) in Bunia, Ituri, in the east of the Democratic Republic of Congo on July 13, 2026. Health workers at the epicentre of the Ebola outbreak in DR Congo are threatening to strike, telling AFP on July 13 they had not been paid since the virus was detected in mid-May. The highly infectious disease has killed more than 700 people among the nearly 2,000 confirmed infected in the Democratic Republic of Congo since the outbreak was declared on May 15, according to the latest official toll published on July 14. (Photo by BENEDICTION MURHABAZI / AFP) © APA/AFP/BENEDICTION MURHABAZI

Mangel an finanziellen Mitteln

Dazu kommt, dass die internationale Finanzierung derzeit völlig unzureichend ist. Für die Eindämmung des Ausbrauchs wurden zunächst 115 Millionen Dollar benötigt, eingegangen waren bisher aber lediglich 45 Millionen Dollar – also knapp 40 Prozent. Das sei keine Wohltätigkeit, sondern eine Investition in die nationale Sicherheit, betonte Tedros und forderte die Geberstaaten zu mehr Unterstützung auf.

Stattdessen verkomplizieren vor allem die USA die Hilfe zusätzlich. Amerikanische Helfer, die aus dem Kongo zurückkehren, müssen einer neuen Verordnung zufolge nun 21 Tage in einem Drittstaat verbringen, bevor sie in die Heimat einreisen dürfen. Sechs Mitarbeiter einer christlichen Hilfsorganisation befinden sich deshalb aktuell in einer Isolationseinrichtung in Kenia. Diese Regel könnte medizinisches Personal dauerhaft davon abhalten, überhaupt in die betroffenen Gebiete zu reisen.

Erfolge im Nachbarland Uganda

Dass eine schnelle Reaktion und konsequente Maßnahmen wirken können, zeigt dagegen der Blick nach Uganda. Dort wurde der letzte bestätigte Ebola-Patient aus dem Krankenhaus entlassen. Das Land registrierte insgesamt 20 Fälle und zwei Todesfälle. Nun läuft die vorgeschriebene Frist von 42 Tagen ohne eine einzige Neuinfektion. Gesundheitsminister Chris Baryomunsi sprach in diesem Zusammenhang von einem "Moment der Freude".

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