Politik

Nach Weißmann-Desaster: So will  Pig den ORF retten

Der bisherige APA-CEO Clemens Pig bewirbt sich als ORF-Generaldirektor. © APA/ROLAND SCHLAGER
Sein Ziel: Bevölkerung soll den monatlichen ORF-Beitrag von 15,30 Euro als "fair" akzeptieren
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Er gilt als Favorit vor allem des Kanzlers und damit eines Großteils der ÖVP, doch auch in der SPÖ ist APA-Chef Clemens Pig wohlgelitten. Der gebürtige Tiroler war 10 Jahre an der Spitze der Austria Presseagentur gestanden - da war der Ausgleich verschiedener Interessengruppen praktisch sein täglich Brot.

Hat sich der 52-Jährige für den wichtigsten und sicher auch schwierigsten Medien-Job des Landes beworben. Nach dem skandalträchtigen Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann will Pig den ORF leiten - und muss ihn dann wohl retten.

Ein ORF, dem Österreich vertraut

oe24 liegt jetzt das 129-seitige Bewerbungsschreiben Pigs vor - in dem er nicht nur seine Fähigkeiten beschreibt, sondern auch gleich ein Reformkonzept vorlegt. Titel: "Ein ORF, dem Österreich vertraut."

Zentraler Satz Pigs - in dem er auf die Stimmung in der Bevölkerung eingeht: "Die Bevölkerung akzeptiert den Beitrag zum ORF dann, wenn sie ihn als fair, unabhängig, nützlich und nachvollziehbar erlebt." Und das sei - so klingt es da durch - derzeit eher nicht der Fall.

Klar und lernfähig

Die fünf wichtigsten Punkte seines Führungsstils seien "Klarheit, Respekt vor Professionalität, Konsequenz, Distanz gegenüber Interessensgruppen sowie Lernfähigkeit", schreibt Pig.

Pigs Ansage: "Der ORF muss digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer werden."

47 Mal verwendet Pig das Wort Transparenz, 46 Mal geht es um Unabhängigkeit - womit der Medien-Manager die beiden wichtigsten Probleme des ORF anspricht.

Pig lobt zwar die ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter mehrfach - er richtet ihnen aber auch aus: "Vertrauen braucht ein redaktionelles Selbstverständnis, das nicht aus einem Milieu für ein Milieu sendet, sondern aus der demokratischen Mitte für das ganze Land arbeitet."

Dazu brauche es eine neue ORF-Struktur: "Problematisch werden gewachsene Strukturen, wenn sie Entscheidungen verlangsamen, Verantwortlichkeiten verwischen und die gemeinsame Strategie schwächen. Der ORF braucht keine Organisationsmode. Er braucht ein Betriebsmodell, das zur digitalen, multimedialen Realität passt."

HIER lesen Sie die ganze Bewerbung von Clemens Pig

Stärken - und gleichzeitig sparen

Und auch einen indirekten Sparappell hat Pig parat. Er wolle den ORF stärken: "Aber Stärke entsteht in den nächsten Jahren nicht durch Verteidigung alter Vollständigkeitsansprüche. Sie entsteht durch Priorität. Die Frage lautet nicht, ob der ORF alles darf, was er kann. Die Frage lautet, was der ORF leisten muss, damit Österreich in einer fragmentierten digitalen Öffentlichkeit besser informiert, besser verbunden und besser orientiert ist."

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