Paukenschlag

ÖVP-Beben im Stiftungsrat: Schütze geht

Stv. Stiftungsratsvorsitzender Gregor Schütze
© APA/GEORG HOCHMUTH
Der Stiftungsrats-Vize zieht sich zurück – jetzt steigt Druck auf SPÖ-Lederer.
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Wien. Am Ende der mehrstündigen ORF-Stiftungsratssitzung – die 13 neuen Direktoren von Clemens Pig wurden mit überwältigender Mehrheit gewählt – sorgte Gregor Schütze für die Überraschung des Tages am ORF-Küniglberg.

Der ÖVP-Stiftungsrats-Vize verkündete schließlich seinen übrigen 34 Kollegen im ORF-Aufsichtsratsgremium seinen Rückzug: Nach der Wahl des Direktoriums würde sich der ORF auf einem Weg in eine "gute Zukunft" befinden. Die Sitzung sei ein "Meilenstein". "Ich werde im Anschluss an diese Sitzung mit dem heutigen Tag meine Funktion als ORF-Stiftungsrat zurücklegen und meinen beruflichen Fokus wieder ausschließlich auf meine Unternehmen richten."

Schützes Rücktritts-Schreiben im Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
Mit der Wahl des neuen Generaldirektors am 11.6. und der heutigen Wahl aller neuen Direktoren ist der ORF nun bereit für eine gute Zukunft.
Wir, der ORF Stiftungsrat, haben unabhängig, weisungsfrei und nach den Vorgaben des neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetzes wichtige Entscheidungen getroffen und gemäß unserem Auftrag eine neue Ära eingeleitet.
Es ist dies aber nicht nur ein Meilenstein für den ORF, sondern auch für mich ganz persönlich. Ich werde im Anschluss an diese Sitzung mit dem heutigen Tag meine Funktion als ORF-Stiftungsrat zurücklegen und meinen beruflichen Fokus wieder ausschließlich auf meine Unternehmen richten.
Gerade die letzten 6 Monate haben uns alle stark gefordert, aber auch gezeigt, dass der ORF resilient genug ist, um große Krisen zu überstehen. Für mich war es nie eine Option den Stiftungsrat in stürmischen Zeiten zu verlassen. Neben der inhaltlichen Aufarbeitung diversester Missstände war uns und mir das Wichtigste ein neues Führungsteam nach neuen und professionellsten Maßstäben im Einklang mit dem neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetzes zu wählen. Diesem Team wünsche ich nun viel Freude, Kraft und Beharrlichkeit, um die notwendigen Reformen auch umzusetzen.
Ihnen allen hier wünsche ich für die weitere Arbeit alles Gute und viel Kraft für die anstehenden großen Herausforderungen. Durch den tiefgreifenden Wandel unserer Medienlandschaft wird sich auch der ORF grundlegend verändern müssen. Die Politik wird besonders gefordert sein, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag langfristig auch erfüllen kann. Dazu braucht es nach meiner Überzeugung auch eine grundlegende Reform der Governance samt Stiftungsrat. Diese Strukturen sind in die Jahre gekommen und müssen völlig neu gedacht werden.
Abschließend möchte ich mich bei allen Mitgliedern des Stiftungsrates, insbesondere dem Vorsitzenden Heinz Lederer für die gute Zusammenarbeit, bei Barbara Ebinger und Josef Lusser vom Stiftungsratsbüro für ihre stets äußerst professionelle Unterstützung sowie Expertise und der amtierenden Generaldirektorin Ingrid Thurnher für die Übernahme der Führung des ORF im akuten Notfall – ohne eine Sekunde zu zögern – herzlich bedanken.
Wien, 11.8.2026
Gregor Schütze"

Jetzt wird es "eng für Heinz Lederer"

Druck. Schütze geriet nach dem unfreiwilligen Abgang von Roland Weißmann ebenso ins Visier wie SPÖ-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer.

Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer am Dienstag, 11. August 2026, im Rahmen einer Plenarsitzung des ORF-Stiftungsrats mit Bestellung der Direktoren-Riege in Wien.
© APA/GEORG HOCHMUTH

Schütze ließ "seinen" ÖVP-Stiftungsräten bei der Wahl von Pig tatsächlich freie Hand. Immerhin fünf votierten im Juni denn auch nicht für den dann gewählten designierten ORF-Chef Pig.

Der Rückzug von Schütze bringt jetzt freilich den roten Stiftungsratsvorsitzenden Lederer noch stärker unter Druck. Zuletzt wurde bekannt, dass dieser - nach Aussagen von Weißmann - als Beschuldigter in einem Anfangsverdachtverfahren geführt wird.

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