Gegen Sideletter

ORF-Chef Pig kippt Direktoren-Wahl: Neue Regeln

Ein Mann im Anzug spricht mit ORF-Mikrofon vor rotem Hintergrund bei einer Veranstaltung.
© APA/MAX SLOVENCIK
ORF-Chef Clemens Pig zieht jetzt die Reißleine am Küniglberg. Er kippt die Direktoren-Wahl und stellt die Auswahl seiner Top-Leute völlig neu auf. Eine komplette Abkehr von der alten "Servietten-Zeit".
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Knalleffekt am Küniglberg! Die am 21. Juli geplante Wahl der vier ORF-Direktoren und der Chefs der neun Landesstudios wird vom designierten ORF-Chef Clemens Pig verschoben. Neuer Termin: voraussichtlich Anfang bis Mitte August, berichten Standard und Kurier. Die Bewerbungsfrist für die Direktionsjobs läuft, wie offiziell veröffentlicht, am 14. Juli ab.

Pig will strengen Regeln folgen

Der Grund: Pig will alles nach den strengen Regeln des EU-Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) machen. Das verlangt ein faires, transparentes und nachvollziehbares Verfahren. Und das braucht viel mehr Zeit als die bisher geplanten lächerlichen drei Tage zwischen Bewerbungsschluss (14. Juli) und Bestellung.

Profis aus dem Ausland sollen ran

Um jeden Anschein von Vetternwirtschaft oder alten Seilschaften zu vermeiden, holt sich Pig externe Personalberater aus Deutschland und der Schweiz ins Boot. Die Profis sollen die Bewerbungen sichten und eine Shortlist der besten Kandidaten erstellen. Bewertet wird nach internationalen Maßstäben für Manager, aber auch nach speziellen ORF-Kriterien wie "Public Value" und digitaler Transformation.

Komplette Abkehr von der "Servietten-Zeit"

Pig setzt damit ein gewaltiges Signal. Er sagt deutlich Nein zum berüchtigten Sideletter von ÖVP und SPÖ. Der hatte zuvor festgelegt, wer welche Direktion bekommt: Ein inoffizielles Nominierungsrecht für die Polit-Fraktionen im Stiftungsrat.

Aus Pigs Umfeld heißt es dazu: "Es ist die komplette Abkehr von der früheren Praxis der Sideletter und ein wichtiger Emanzipationsschritt des ORF von der Politik."

Neue Direktorenjobs

Pig geht sogar noch weiter. Er schreibt nicht einfach die alten Direktionen aus, sondern neue:

  • Programm und Brands
  • Audience und Plattformen
  • Finanzen und Verwaltung
  • Technologie und Innovation

Das neue Verfahren ist auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle kompetenten Leute, die bisher wegen der politischen Seilschaften gezögert haben, sich zu bewerben. Jetzt haben sie noch bis 14. Juli Zeit, ihre Unterlagen einzureichen.

Sowohl NEOS- als auch FPÖ-nahe Mitglieder im ORF-Stiftungsrat hatten die ursprüngliche Eile bei der Direktorenbestellung scharf kritisiert. Pig nimmt diese Kritik nun offenbar ernst und sorgt für ein faires Verfahren. Ob sich ÖVP und SPÖ damit abfinden? Die haben die Existenz des Sideletters in den vergangenen Monaten ja stets dementiert...

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