2,40 Euro extra

Paketsteuer lässt Online-Kunden abspringen

© Getty Images
Seit Anfang Oktober kostet jede betroffene Online-Bestellung in Österreich zusätzlich 2,40 Euro Paketabgabe. Das zeigt bereits Wirkung: Laut Österreichischer Post sind die Paketmengen branchenweit im Schnitt um rund zehn Prozent gesunken.
OE24 auf Google bevorzugen

Die neue Paketabgabe sorgt weiterhin für heftige Diskussionen. Seit 1. Oktober müssen für bestimmte Online-Bestellungen zusätzlich 2,40 Euro inklusive Mehrwertsteuer bezahlt werden. Ausgenommen sind Versandhändler mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz.

Wie sich die Abgabe auf das Einkaufsverhalten auswirkt, erklärt Peter Umundum, Logistikvorstand der Österreichischen Post, gegenüber der "Kleinen Zeitung": Die Paketmengen seien branchenweit im Schnitt sofort um rund zehn Prozent zurückgegangen.

Besonders große Online-Händler seien betroffen. Viele Kunden würden ihre Bestellung abbrechen, sobald die zusätzliche Gebühr im Checkout angezeigt werde. Die Abgabe trifft damit nicht nur die Händler, sondern wirkt sich auch auf die Paketbranche aus.

Auch Pakete aus China werden weniger

Bereits seit Juli gelten auf EU-Ebene neue Zollregeln für Pakete aus Drittstaaten wie China. In den ersten zwei Wochen nach Einführung des Pauschalzolls von drei Euro gingen die Paketmengen laut Post um rund 50 Prozent zurück.

Mittlerweile hat sich der Markt etwas erholt. Seit Anfang Juli verzeichnet die Post bei Sendungen aus Drittstaaten aber weiterhin ein Minus von rund 30 Prozent. Da diese Pakete etwa zehn Prozent der gesamten Paketmenge ausmachen, entspricht das einem Rückgang von rund drei Prozent beim Gesamtvolumen.

Ein Grund für die Erholung: Plattformen wie Temu und Shein haben große Logistikzentren in Europa aufgebaut und versenden einen Teil ihrer Waren von dort. Für diese Sendungen fällt der Drittlandszoll nicht an.

Ab November kommt eine weitere Belastung hinzu: Die EU will zusätzlich zwei Euro Bearbeitungsgebühr für jedes Paket aus Drittstaaten einheben. Die Post erwartet deshalb, dass sich noch mehr Geschäft in den EU-Binnenmarkt verlagert.

Umundum kann den Schutz des europäischen Marktes grundsätzlich nachvollziehen. Die Finanzierung der Mehrwertsteuersenkung hätte er persönlich allerdings anders gelöst, sagte er der "Kleinen Zeitung".

Trotz Paketsteuer: Post erwartet neuen Rekord

© Getty Images/iStockphoto

Trotz der neuen Abgaben rechnet die Österreichische Post für 2026 erneut mit einem Wachstum und einer Rekordmenge an transportierten Paketen. Dafür sprechen aus Sicht des Unternehmens vor allem die starken Zuwächse im ersten Halbjahr: Damals stieg das Paketvolumen um neun Prozent.

Zusätzlich setzt die Post auf den Ausbau ihres 24-Stunden-Angebots. Abholstationen und Selbstbedienungsfilialen sollen den Paketempfang für Kunden einfacher machen. Auch für 2027 erwartet Umundum weiteres Wachstum im Onlinehandel.

Bis zu 23 Millionen Pakete im Dezember

Schon jetzt bereitet sich der Paket-Marktführer auf die besonders geschäftige Zeit rund um Black Friday und Weihnachten vor. Dafür sollen rund 1.000 zusätzliche Zustellerinnen und Zusteller zum Einsatz kommen.

Allein im Dezember rechnet die Post mit 22 bis 23 Millionen Paketen – das wäre ein Plus von rund fünf Prozent. In der Steiermark werden voraussichtlich etwa 3,4 Millionen Sendungen erwartet, in Kärnten rund 1,3 Millionen.

Die bundesweit größte Selbstbedienungsfiliale der Post befindet sich in Graz in der Idlhofgasse. Sie wurde im September 2025 eröffnet. Insgesamt gibt es in Österreich 40 solcher Standorte. Die Post wünscht sich, dass diese vom Regulator als vollwertige Filialen anerkannt werden.

Auch das Angebot in den klassischen Postfilialen soll weiter ausgebaut werden. Nach dem Einstieg in den Mobilfunkmarkt plant das Unternehmen zudem den Schritt in den Energiemarkt.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden