Schock in Frankreich

Pillen, Demütigung, Fotos: 248 Frauen wurden Opfer von Ex-Beamtem

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Ein ehemaliger Spitzenbeamter des französischen Kulturministeriums steht im Zentrum eines gewaltigen Missbrauchsskandals. Christian Nègre soll Frauen bei Bewerbungsgesprächen heimlich Medikamente verabreicht und sie anschließend in entwürdigende Situationen gebracht haben.
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Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft wurden inzwischen 248 mutmaßliche Opfer identifiziert. Mindestens 180 Frauen haben sich dem Verfahren als Nebenklägerinnen angeschlossen.

Nègre wird vorgeworfen, zwischen 2009 und 2018 heimlich harntreibende Mittel verabreicht zu haben. Gegen ihn wird unter anderem wegen der Verabreichung schädlicher Substanzen, sexueller Übergriffe und Verletzung der Privatsphäre ermittelt.

Die Ermittlungen laufen seit 2018 und sollen bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Ein Prozess könnte frühestens 2027 beginnen.

Ermittler fanden Hunderte Fotos

Aufgeflogen sein soll der Fall 2018. Nègre wurde demnach dabei beobachtet, wie er heimlich eine Frau fotografierte. Bei der anschließenden Durchsuchung seines Computers stießen die Ermittler auf zahlreiche Aufnahmen mutmaßlicher Opfer.

Außerdem fanden sie eine Datei mit dem Titel "Experiments P" („Experimente P“). Darin sollen detaillierte Beobachtungen über betroffene Frauen festgehalten worden sein.

Zwei Frauen schildern ihre Erlebnisse

Gegenüber der BBC berichteten zwei mutmaßliche Opfer erstmals öffentlich von ihren Erfahrungen.

Anaïs de Vos traf Nègre 2011 bei einem Bewerbungsgespräch. Der damaligen 27-Jährigen habe er einen Kaffee zubereitet und anschließend einen Spaziergang vorgeschlagen. Kurz darauf habe sie plötzlich starken Harndrang, Schwindel und körperliche Schwäche verspürt.

Als sie dringend eine Toilette suchte, soll Nègre sie zu einem Häuschen unter einer Brücke geführt und ihr angeboten haben, sich dort zu erleichtern. Später fand sie ein Café. Auf dem Weg zur Toilette verlor sie laut eigener Schilderung die Kontrolle über ihre Blase. De Vos vermutet bis heute, dass ihr etwas ins Getränk gemischt worden sein könnte.

Auch Marie-Hélène Brice schilderte der BBC einen ähnlichen Ablauf. Nach einem Kaffee habe Nègre mit ihr einen Spaziergang gemacht. Auch sie habe plötzlich einen extremen Harndrang verspürt und schließlich in der Öffentlichkeit urinieren müssen. Nègre soll sie dabei beobachtet haben. Die Erinnerung daran belaste sie bis heute.

Debatte über "chemische Unterwerfung"

Der Fall sorgt in Frankreich erneut für Diskussionen über sogenannte chemische Unterwerfung. Besonders bekannt wurde das Thema durch den Fall Gisèle Pelicot.

Ihr damaliger Ehemann hatte sie über Jahre hinweg heimlich betäubt und im bewusstlosen Zustand von anderen Männern missbrauchen lassen. Der Fall löste in Frankreich eine breite gesellschaftliche Debatte aus.

Ob es im Fall Nègre zu einem Prozess kommt und wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind, müssen die weiteren Ermittlungen klären.

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