Eines vorweg: Mit Michael und Brigitte Lemke, dem Paar das mit dem Womanizer einen revolutionären Druckwellenvibrator entwickelt hat, haben die Protagonist:innen aus "Chéri, ich komme! Die Erfindung der Lust" (ab 23. Juli im Kino) nichts zu tun. "Es sollte kein Biopic über die beiden werden", stellt Regisseurin Reem Kherici (43) klar. Sie wollte eine Liebesgeschichte erzählen und schrieb mit Gari Kikoïne und David Solal das Drehbuch zu einem Film, der die Story wunderbar unverkrampft und unpeinlich aufrollt.
Orgasmus gesucht
Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet) sind seit 20 Jahren glücklich verheiratet, als sie ihm ein erschütterndes Geständnis macht: Fanny hatte noch nie einen Orgasmus. Das soll sich jetzt ändern und sie sucht sich Hilfe bei einer Sexualtherapeutin (Reem Kherici). Diese verordnet Fanny Training. Doch auch das will nicht so recht klappen. Tom, ein passionierter Erfinder, will helfen und macht sich daran, ein Gerät zu entwickeln, das Fanny endlich zu ihrem Orgasmus verhelfen soll: der Womanizer.
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Trailer: "Chéri, ich komme!"
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Interview: Reem Kherici über ihren Film und die Lust
Was hat Ihnen Lust auf den Film gemacht?
Reem Kherici: Was mir Lust auf den Film gemacht hat, war, dass ich ihn erst abgelehnt habe. Dass ich ihn nicht machen wollte. Als ich das erste Mal davon gehört habe, dachte ich: "Das sind Verrückte, die diese Idee hatten." Dann habe ich mich gefragt, warum ich so heftig darauf reagiere. Es war eine Herausforderung. Ich habe nachgedacht und mir gesagt: "Und wenn ich versuche, diesen Film ganz anders anzupacken?" Allen Fallen, die sich ergeben, aus dem Weg zu gehen und ihn mit einer Eleganz zu machen. Diese Herausforderung hat mich gepackt, weil ich meine Komfortzone verlassen musste.
“Mein Mantra, das ich mir immer vorgesagt habe, war: Eleganz, Eleganz, Eleganz.”
Reem Kherici
Welche Fallen haben Sie gesehen?
Kherici: Ich durfte niemals vulgär werden. Ich wollte keine Nacktheit zeigen, weil ich es für unnötig halte und ich wollte nicht, dass sich das Publikum bei diesem Thema unwohl fühlt. Eine Falle, der ich aus dem Weg gehen musste, war auch, den Mann außen vorzulassen. Obwohl der Film durchaus feministisch ist, ist dieser Ehemann für mich in gewisser Weise ein Held. Er hinterfragt sich und versucht, auf seine Frau einzugehen. Mir war wichtig, dass diese männliche Hauptrolle ernst genommen wird. Und es war ganz wichtig, dass die Witze niemals unter die Gürtellinie gehen. Mein Mantra, das ich mir immer vorgesagt habe, war: Eleganz, Eleganz, Eleganz. Egal, ob es um die Ausstattung ging, ob es um die Dialoge ging, es durfte einfach nicht vulgär werden. Wie sind Sie bei
Wie sind Sie bei Ihrer Recherche vorgegangen? Was hat Sie besonders interessiert?
Kherici: Mir wurde die historische Dimension dieses Themas bewusst. Die weibliche Lust wurde früher nicht als wichtig erachtet, die Klitoris wurde als Teufelszeug beschrieben. Man durfte lange erst nach der Hochzeit Sex haben. Das war mit Schuldgefühlen verbunden, es war Sünde. Sex war nur zur Fortpflanzung da. Nicht, damit Frauen ein Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln und ein Verhältnis zur Lust gewinnen. Interessant ist auch, dass die Klitoris zum Beispiel in Schulbüchern nicht stattfindet. Sie wird nicht gezeigt. Sie wird auch bei Mannequins nicht dargestellt. Das hat dazu geführt, dass Frauen manchmal eine Blockade haben und noch so ticken wie unsere Großmütter oder Ururgroßmütter getickt haben. Es war wie ein Aufwachen, als mir klar wurde, wie viele Frauen Schwierigkeiten beim Orgasmus haben oder noch nie einen hatten. Das ist eine Kopfsache, die auf falschen Prämissen beruht, auf Irrglauben. Zum Beispiel, dass die Penetration zum Orgasmus führt.
“Die weibliche Lust wurde früher nicht als wichtig erachtet, die Klitoris wurde als Teufelszeug beschrieben.”
Reem Kherici über die historische Dimension des Themas.
Sie spielen eine Sexualtherapeutin. Warum haben Sie diesen Part gewählt?
Kherici: Ich habe diese Rolle geliebt und ich muss zugeben, ich hätte diese Sexualtherapeutin sehr gerne kennengelernt. Sie öffnet und eröffnet den Film mit einem Wohlwollen, aber auch mit einer pädagogischen Haltung, indem sie der Figur von Alexandra Lamy erklärt, worum es geht. Sie erklärt es gleichzeitig den Zuschauer:innen. Das ist eine Verlängerung meiner Rolle als Autorin und Regisseurin. Es ist, als würde ich das Publikum an die Hand nehmen und sagen: "Komm, hab keine Angst, alles wird gut."
War es schwer, Ihre beiden Hauptfiguren zu besetzen?
Kherici: Bei Fanny habe ich sofort an Alexandra Lamy gedacht, weil sie wahrscheinlich die beste Komödiantin ist, die wir in Frankreich haben. Sie ist ein sehr sonniger, lustiger Mensch. Sie hat etwas vom "Girl next door", das gleichermaßen Frauen wie Männer beruhigt. Man vertraut ihr. Ich konnte mir nie eine andere Schauspielerin vorstellen. Bei François Cluzet war das genauso. Hätte er Nein gesagt, hätte ich den Film nicht machen können. Ich brauchte jemanden, der diese Eleganz besitzt, dem man vertraut, der sehr tiefgründig in seinem Spiel ist. Die männliche Rolle ist sehr wichtig, weil er seine Frau liebt und auf sie zugeht. Er denkt immer daran, was er tun kann, um sie zu befriedigen. Diese Wahrhaftigkeit im Spiel, über die François Cluzet verfügt, schätze ich sehr.
“Der Film hat erreicht, dass Frauen das Thema in die Familien gebracht und mit ihren Kindern oder Ehemännern darüber gesprochen haben.”
Reem Kherici über ihr Ziel.
Welche Reaktionen wünschen Sie sich von Ihrem Publikum?
Kherici: Als Erstes wünsche ich mir, dass sie neugierig sind, keine Angst haben und dass sie überhaupt ins Kino gehen. Wenn sie einmal da sind – das weiß ich vom Erfolg des Films in Frankreich –, kommen sie gerne wieder. Viele Frauen sind mit ihren Töchtern oder ihren Männern noch einmal in den Film gegangen. Das hat mich sehr, sehr glücklich gemacht. Der Film hat erreicht, dass Frauen das Thema in die Familien gebracht und mit ihren Kindern oder Ehemännern darüber gesprochen haben. Es war wie eine Art von Therapie. Das freut mich sehr.
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