"Danke für alles!"

So bewegend trauert ein ganzes Land um seinen König

Menschenmenge verfolgt Sarg mit Blumen in königlicher Prozession durch Oslo.
© APA/AFP/ODD ANDERSEN
Der von zehntausenden Menschen gesäumte Trauerzug führte 1,2 Kilometer durch die Osloer Innenstadt. Die Kirchenglocken im Land sollten eine Stunde lang läuten.
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Oslo. Abschied von einer Integrationsfigur: Mit einem Trauerzug gesäumt von zehntausenden Menschen, einer landesweiten Schweigeminute und einem Trauergottesdienst mit prominenten Gästen aus aller Welt hat Norwegen dem verstorbenen König Harald V. die letzte Ehre erwiesen. Auf dem Weg vom Osloer Königspalast schritten am Mittwoch hinter Haralds Sarg und dem neuen König Haakon VIII. zahlreiche Vertreter von Königshäusern sowie internationale Staats- und Regierungschefs zur Domkirche.

Ein Gemälde von König Harald V. steht zwischen Blumen und norwegischen Flaggen bei einer Gedenkstätte.
Ein gemaltes Porträt des norwegischen Königs Harald V. steht inmitten von Blumen und norwegischen Flaggen an einer Gedenkstätte vor dem Königlichen Schloss in Oslo. © APA/AFP/JONATHAN NACKSTRAND

Pünktlich um 12.00 Uhr setzte sich der Trauerzug vom Königsschloss in Oslo in Bewegung. Der mit einem weißen Blumengesteck geschmückte Sarg wurde auf einer sogenannten Artillerielafette, einem fahrbaren Gestell des Militärs, vom Schloss zur Domkirche gezogen. Dahinter schritten Haakon VIII. in schwarzer Gardeuniform und seine Kinder, die 22-jährige Kronprinzessin Ingrid Alexandra und der 20-jährige Sverre Magnus, sowie Haakons Schwester Prinzessin Märtha Louise.

Ein Mann in Militäruniform und eine Frau in schwarzem Kleid und Hut stehen nebeneinander.
König Haakon von Norwegen und Mette-Marit, Königin von Norwegen, während der Trauerfeier für König Harald V. in Oslo. © Getty Images

Haralds Witwe, die 89 Jahre alte Königin Sonja, und Haakons durch eine Lungentransplantation geschwächte Frau, die neue Königin Mette-Marit, folgten in einem Auto. Auch Marius Borg Hoiby, Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung, der wegen eines Vergewaltigungsurteils unter Hausarrest steht, durfte an den Trauerfeierlichkeiten teilnehmen.

Gäste aus aller Welt begleiteten Trauerzug

An dem gut einen Kilometer langen Trauerzug nahmen unter anderem der britische Thronfolger Prinz William, Mitglieder des schwedischen und dänischen Königshauses, die Königspaare aus den Niederlanden, Belgien und Spanien sowie Staats- und Regierungschefs aus mehreren Ländern teil. Auch das jordanische Königspaar, der japanische Kronprinz Akishino sowie der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj schritten hinter Haralds Sarg. Aus Österreich nahm Bundesratspräsidentin Christine Schwarz-Fuchs in Vertretung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen teil.

Trauergottesdienst mit rotem Sarg in einer voll besetzten Kirche, Blumen und viele Gäste in dunkler Kleidung.
Trauergottesdienst für den verstorbenen norwegischen König Harald V. © APA/AFP/POOL/STIAN LYSBERG SOLUM

Die Strecke des Trauerzugs wurde von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern gesäumt. "Er war zutiefst mit seinem Volk verbunden", begründete die 35-jährige Anne Marte Ellertsen ihren Entschluss, von Norwegens Westküste zu der Trauerfeier in Oslo zu reisen.

Menschen stehen dicht gedrängt, während ein königlicher Trauerzug mit Sarg durch Oslos Straßen zieht.
Menschen stehen dicht gedrängt, während der königliche Trauerzug mit Sarg durch Oslos Straßen zieht. © APA/AFP/NTB/CORNELIUS POPPE

Trauergottesdienst startete mit landesweiter Schweigeminute

Der Trauergottesdienst begann mit einer Schweigeminute, zu der alle im Land aufgerufen waren. Der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Störe erinnerte in seiner Ansprache an Haralds volksnahe Art: "Er machte Norwegen größer, indem er von einem norwegischen 'wir' sprach, bei dem jeder seinen Platz hatte." Unter anderem in einer viel zitierten Rede im Jahr 2016 hatte Harald für Vielfalt und Weltoffenheit geworben.

Nach dem Trauergottesdienst flogen vier F35-Kampfjets in der Ehrenformation "Missing Man" über die Domkirche hinweg, bei der eines der Flugzeuge in den Himmel aufstieg und eine Lücke hinterließ. Haralds Sarg wurde dann in einem langsamen Marsch zur Schlosskapelle der Festung Akershus gebracht. Dort soll der Monarch nach einer privaten Zeremonie in einem Doppel-Sarkophag im königlichen Mausoleum an der Seite seiner Eltern und Großeltern seine letzte Ruhestätte bekommen.

Vier Kampfjets fliegen in einer Formation am Himmel mit weißen Wolken.
Oslo: Vier Kampfjets fliegen in einer Formation am Himmel mit weißen Wolken. © APA/AFP/NTB/ANNIKA BYRDE

Nach der Trauerfeier sollen alle norwegischen Flaggen im Land, die nach Haralds Tod vor zwölf Tagen auf halbmast gesetzt worden waren, wieder hochgezogen werden. Die Kirchenglocken im Land sollten eine Stunde lang läuten.

Norwegische Flaggen werden auf halbmast gesetzt.
Norwegische Flaggen werden auf halbmast gesetzt. © APA/AFP/ODD ANDERSEN

Tausende Einsatzkräfte sorgten für Sicherheit

Zum Schutz des Ereignisses waren fast 3.000 Polizisten im Einsatz. Auch 3.500 Soldaten wurden zur Sicherung der Trauerfeier entsandt. Im Osten des Landes galten größtenteils Luftraumbeschränkungen.

Harald V. war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Den norwegischen Thron hatte er 1991 bestiegen, in seinen letzten Lebensjahren war er der dienstälteste Monarch Europas. Mit Haralds Tod wurde sein Sohn Haakon automatisch König.

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Harald V. war äußert beliebt

Harald V. war bei den Norwegern äußerst beliebt. Nach seinem Tod hatten sich tausende Menschen vor dem Königspalast in Oslo versammelt, um Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden. Zu dem gut eine Woche lang aufgebahrten Sarg des Königs kamen mehr als 46.000 Menschen. Manche standen stundenlang in der Schlange, um persönlich Abschied von Harald V. zu nehmen.

Brief mit Regenbogen und Blumen, adressiert an König Harald, als Teil eines Kondolenzschreibens.
Die Nachricht auf einem Brief inmitten von Blumen auf dem Schlossplatz in Oslo am 31. August 2026, vier Tage nach dem Tod von König Harald V., lautet: "Lieber König Harald, ich habe gehofft, dass du nicht stirbst! Danke für alles, was du für Norwegen getan hast!" © APA/AFP/NTB/CORNELIUS POPPE

Die 81 Jahre alte Gunn Johnsen nahm dafür eine einstündige Zugfahrt auf sich. "Er war der Großvater der Nation", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. In der Nähe der Osloer Universität wurde ein Plakat mit einem Foto des lächelnden Harald V. aufgehängt mit der Aufschrift "Danke für alles".

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