72 Leichen geborgen
Sturm auf Ceuta: "Es gibt noch mehr Tote im Meer"
Die Zahl der Toten stieg damit auf 72, teilte der Vertreter des spanischen Innenministeriums, Miguel Ángel Pérez Triano, am Sonntag in Ceuta Journalisten mit. Zuvor waren 67 Tote offiziell bestätigt worden. Einsatzkräfte suchen weiter das Meer ab.
Die meisten Todesopfer seien bei dem Versuch ertrunken, schwimmend von Marokko aus in die Exklave zu gelangen, hatte der staatliche Fernsehsender RTVE bereits am Freitag unter Berufung auf die Behörden berichtet. Auf Fotos und TV-Bildern waren unter anderem zahlreiche Schwimm- und Autoreifen zu sehen, mit denen Menschen von der marokkanischen Küstenstadt Fnideq aus versuchten, nach Ceuta zu gelangen. Andere waren über die Grenzzäune geklettert.
Die spanische Zeitung "El País" zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: "Es gibt mehr Tote im Meer". Den Informationen der Zeitung zufolge bereiten die Behörden der Stadt eine Einrichtung vor, um bis zu 200 Leichen aufbahren zu können.
Nach verschiedenen amtlichen Schätzungen waren vor allem am Mittwoch und Donnerstag insgesamt 50.000 bis 60.000 Menschen irregulär in die Exklave gekommen. Nach Angaben der spanischen Regierung sind nahezu alle inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. RTVE berichtete, dass sich in Ceuta am Wochenende noch einige hundert Neuankömmlinge aufhielten.
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Schwimmende Barriere und Bojenkette als Meeresgrenze
Fernsehbilder von der Küste vor Ceuta, wo während des Ansturms noch Tausende Migranten entlangliefen, zeigten am Sonntagmorgen eine ruhige Lage. Versuche, über das Meer in die Exklave zu gelangen, seien nicht zu beobachten, berichtete eine RVTE-Reporterin vor Ort. Zu sehen waren lediglich einige Arbeiter, die dem Sender zufolge mit der Installation von Bojen als physische Grenze beschäftigt seien. Am Freitag hatte die Guardia Civil bereits eine 500 Meter lange aufblasbare orangefarbene Barriere installiert. Zusammen mit der Bojenkette solle damit die Kontrolle und Überwachung des Gebiets verbessert werden, heißt es in einem Post.
Mit der Schaffung dieser physischen Grenze im Meer will Spanien nicht zuletzt auch eine Lücke schließen, die durch ein Gerichtsurteil des spanischen Obersten Gerichtshofs entstanden war und die bei dem jüngsten Ansturm allem Anschein nach eine Rolle gespielt hatte. Der Gerichtshof hatte entschieden, dass denjenigen Menschen eine Einzelprüfung auf Asyl zustehe, die beim irregulären Grenzübertritt über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen. Eine sofortige Zurückweisung von Migranten ist demnach nur dann zulässig, wenn ein Zaun oder eine andere Sperre überwunden werden muss.
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