Zu lang auf See

US-Soldaten wollten von Flugzeugträger flüchten

Flugzeugträger mit zahlreichen Flugzeugen fährt auf dem Meer.
© Getty Images/Stocktrek Images
Mehr als 270 Tage auf See und nur zwei kurze Hafenstopps setzen der Besatzung des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln extrem zu. Angehörige sorgen sich schwer um die psychische Gesundheit der Soldaten.
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Der Einsatz des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln im Nahen Osten sorgt für extreme Belastungen bei der Besatzung. Wie die Zeitung der US-Streitkräfte, "Stars and Stripes", berichtet, machen sich Angehörige große Sorgen um die psychische Gesundheit der Soldaten sowie um das Risiko von Selbstverletzungen an Bord. Das Schiff verließ San Diego im November 2025 eigentlich in Richtung Pazifik, wurde jedoch in den Nahen Osten umgeleitet.

Dramatische Schilderungen bei Bürgerversammlung

Wie ernst die Lage an Bord ist, verdeutlicht die Schilderung der Ehefrau eines Soldaten. Bei einer Bürgerversammlung der US-Marine berichtete sie unter Tränen über eine Nachricht ihres Mannes. In dieser schrieb er, dass er hoffe, "morgen nicht mehr aufzuwachen". Dies schilderte einer der rund 200 Teilnehmer der Versammlung in San Diego gegenüber "Stars and Stripes".

Marinesoldaten und Angehörige berichten in Interviews von Erschöpfung sowie sinkender Moral. Dutzende Kommentare und Beiträge in sozialen Medien vermitteln dasselbe Bild. Unter anderem wird von Suizidgedanken berichtet sowie von Vorfällen, bei denen Besatzungsmitglieder daran gehindert werden mussten, über Bord zu springen.

Ständige Verlängerungen wegen Spannungen

Eigentlich sollte der Einsatz der USS Abraham Lincoln im Mai enden. Aufgrund der Spannungen mit dem Iran im Nahen Osten wurde die Mission jedoch wiederholt verlängert. Nach Informationen der "Navy Times" berichtete Annabelle Loma, die Ehefrau eines Besatzungsmitglieds, ihr Mann habe versucht, über Bord zu springen, nachdem sein Dienst erneut verlängert worden war. Er befürchte nun eine unehrenhafte Entlassung und das Ende seiner 13-jährigen Karriere beim Militär.

Die Verantwortlichen der Versammlung in San Diego gingen auf diese Aussagen nicht direkt ein. Sie hoben jedoch hervor, dass die Besatzung an Bord Zugang zu Fachkräften für psychische Gesundheit, Militärgeistlichen sowie Ärzten habe.

Mangelhafte Versorgung an Bord

Zusätzlich verschärfen die Bedingungen auf dem Schiff die Situation. Der demokratische Kongressabgeordnete Mike Levin (47) aus Kalifornien beschreibt schimmelige Duschen, defekte Toiletten und eine Wäscherei, die wochenlang nicht funktionierte. Zeitweise stand kein warmes Wasser zur Verfügung. Die Mahlzeiten wurden rationiert – teilweise bestanden sie nur aus einer halben Tasse Reis und zwei Tortillas. Zudem fehlten Hygieneartikel wie Seife, Deo und Zahnpasta.

Üblicherweise laufen Flugzeugträger alle 30 bis 45 Tage einen Hafen an, um Nachschub aufzunehmen, Wartungen durchzuführen und der Besatzung Erholung zu ermöglichen. Seit dem Auslaufen aus San Diego am 21. November des vergangenen Jahres verbrachte die Besatzung jedoch 250 Tage ununterbrochen auf See. Die Soldaten durften lediglich zweimal kurz von Bord: einen Tag im Dezember auf Guam und einen Tag im Juli im Oman. Dazwischen lagen sieben Monate ohne Landgang.

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