Ägypter greift nach Telekom

Möglicher Einstieg

Ägypter greift nach Telekom

Trotz raschem Dementi von Investor Pecik kann was dran sein an der Sache.

Als hätte die Telekom Austria (TA) mit der Aufklärung der Korruptionsaffäre derzeit nicht genug Aufregung am Hals, bekommt sie nun möglicherweise einen neuen Großaktionär. Eine österreichisch-ägyptische Gruppe um den Investor Ronny Pecik könnte einen Anteil von rund 20 Prozent an dem teilstaatlichen Konzern (die ÖIAG hält 28,42 % an der TA) aus dem Streubesitz übernehmen, berichtet Format online.

Ägypter Sawiris wollte 
die Telekom schon 2008
Als Geldgeber soll der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris mit von der Partie sein. Er hatte mit dem Telekomriesen Orascom schon 2008 bei der TA einsteigen wollen. Als Preis für den angestrebten 20-Prozent-Anteil soll Pecik rund 750 Mio. Euro kalkuliert haben.

Pecik beeilte sich allerdings gestern prompt zu dementieren. „Die Meldung stimmt nicht“, sagte er. Mehr aber auch nicht. Was nicht heißen muss, dass nichts dran ist. Finanzjongleur Pecik hat schon öfter mit unkonventionellen Übernahmedeals von sich reden gemacht – indem er sich über einen längeren Zeitraum mittels Optionsgeschäften Anteile sicherte und zunächst nicht selber als Investor in Erscheinung trat. Diese Technik des „Anschleichens“ hat er etwa mit seinem Ex-Partner Georg Stumpf bei den Schweizer Industriekonzernen Oerlikon und Sulzer praktiziert.

Laut Börsegesetz müssen Investoren Aktienkäufe über fünf Prozent zwar melden. Und eine solche Benachrichtigung hat die TA nicht erhalten. Der Erwerb bestimmter Optionen ist aber nicht meldepflichtig.

Fakt ist, dass der US-Fonds Capital Research and Management Company seine Anteile an der TA zuletzt von 15,13 auf per 5. September nur mehr 4,99 Prozent reduziert hat. Irgendwer muss diese Aktien haben.

So billig wie jetzt war die Telekom noch nie zu haben
Der Ägypter Sawiris gilt in der Branche als ernsthafter Interessent an der TA. „Ich würde das nicht ausschließen, für ihn würde es Sinn machen“, sagt ein Insider zu ÖSTERREICH. Allerdings würde der Einstieg nicht über die Orascom laufen. Deren Mehrheitseigentümer ist inzwischen die russische VimpelCom. Diesen Milliardendeal fädelte Boris Nemsic, Ex-TA-Boss und danach Chef der VimpelCom, ein. Er hatte sich schon 2008 für eine Partnerschaft der TA mit der Orascom eingesetzt. Es gibt Gerüchte, dass bei dem „Angriff“ auf die TA jetzt auch die VimpelCom im Boot ist.
Was die TA vor allem zum Übernahmekandidaten macht: So billig wie jetzt waren die Aktien nie. Seit der Finanzkrise hat das Unternehmen rund zwei Drittel seines Werts verloren. Mitte 2008 kostete die TA-Aktie über 21 Euro, jetzt gerade mal 7,23 Euro.