Aua Maschine

Harte Nuss für Personal

AUA verschärft Druck auf Piloten

Heute tagt Aufsichtsrat der Lufthansa zu frischem Geld für die AUA.

Die AUA und vor allem ihre Mutter Lufthansa erhöhen noch einmal den Druck auf die Piloten, billigeren Kollektivverträgen (KV) zuzustimmen. Bis zur AUA-Aufsichtsratssitzung am Dienstag hatte es ja keine Einigung mit dem Betriebsrat gegeben. Jetzt gibt es noch eine letzte Galgenfrist bis 31. März. „Bis dahin stehen die Türen offen für Gespräche“, so AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer.

Lufthansa knüpft Kapital-Spritze an Piloten-Einigung
Sollten die Verhandlungen scheitern, kommt der Zwangsübergang auf die rund 25 Prozent günstigeren Verträge der AUA-Regionalflugtochter Tyrolean. Grünes Licht dafür gab der AUA-Aufsichtsrat gestern. Die Übertragung der AUA-Bordmitarbeiter auf Tyrolean wird parallel zu weiteren Gesprächen vorbereitet.

Die Situation der chronisch defizitären AUA ist jedenfalls ernst, sie braucht frisches Geld. „Die AUA hat heute nicht mehr ausreichend Kapital“, sagte Lauer. Geld von der Lufthansa wird auch für die geplante Umstellung der AUA-Mittelstreckenflotte von Boeing auf Airbus benötigt.

Genehmigen muss die Kapitalspritze der Lufthansa-Aufsichtsrat, der heute Abend in Frankfurt tagt. Ob das Gremium bereits heute Ja sagt, ist offen – nachdem die Einigung mit dem fliegenden Personal noch aussteht. Aber: „Es steht für mich außer Frage, dass wir das Management dabei unterstützen, die AUA wieder fit und wettbewerbsfähig zu machen“, so Lauer. Am Donnerstag könnte eine Entscheidung der Lufthansa bekannt gegeben werden.

Insgesamt soll das AUA-Sparpaket heuer 220 Mio. Euro schwer werden. Rund 180 Millionen davon sind fixiert (u. a. Gebührensenkungen durch Flughafen und andere Partner), es fehlen noch die rund 40 Millionen bei den Piloten. Die Boden-Beschäftigten erklärten sich bereit zu einer Null-Lohnrunde bis Ende 2013 und Verhandlungen über ein neues Einkommensmodell. AUA-Chef Jaan Albrecht: „Wir haben mit 100 Partnern gesprochen, 99 unterstützen uns.“

Boden-Personal bereit zu Null-Lohnrunde bis 2013
Für Verhandlungen sind jetzt noch einmal gut zwei Wochen Zeit. „Wir werden weitere Gespräche aufnehmen, wenn das Unternehmen das möchte“, so Bord-Betriebsratschef Karl Minhard. Ob eine Einigung realistisch ist, wollte er nicht spekulieren. „Wenn es beide Seiten wollen, wird es etwas geben.“ Die Belegschaft habe aber schon viel angeboten, zusätzlich zu früheren Einsparungen.


Seite 2: Alle Hintergrund-Infos zu den Verhandlungen



Hintergrund:
Die Fronten sind  verhärtet: Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der Kollektivvertrag für das fliegende Personal. Das AUA-Management fordert, dass die automatischen Gehaltsvorrückungen und teuren Pensionsregelungen wegfallen. Stimmt der Betriebsrat dem Sparpaket nicht zu, sollen die bestehenden Flugbegleiter und Piloten den KV der Regionalfluglinie Tyrolean bekommen (rund 20 bis 25 % niedriger). Dagegen sträuben sich vor allem jene 338 Piloten, die noch „alte“ Verträge haben.

300 Piloten drohen mit Abgang – dann droht Chaos
„Wir haben angeboten, bei den Gehältern der Mitarbeiter 14 Millionen Euro einzusparen und weitere 33 Millionen Einsparungen durch die Auflösung von Pensionsrücklagen anzubieten. Aber das ist dem AUA-Management jetzt scheinbar zu wenig“, erklärt AUA-Betriebsratschef Karl Minhard gegenüber ÖSTERREICH. Der AUA-Vorstand will bei den laufenden Personalkosten 45 Millionen Euro sparen und weitere 180 Millionen Euro durch Auflösung von Pensionsrücklagen kürzen. „Das entspricht Pensionskürzungen von bis zu 50 %. Dem werden wir nicht zustimmen“, so Minhard.

Der Übergang in den Tyrolean-KV kommt für den Betriebsrat nicht infrage: „Dagegen werden wir uns mit rechtlichen Mitteln wehren.“ Tatsächlich könnte das die AUA ins Chaos stürzen: Bis zu 300 Piloten drohen damit, in diesem Fall das Unternehmen zu verlassen und im Ausland anzuheuern. Die Emirates hat den AUA-Piloten bereits ein dementsprechendes Angebot unterbreitet.

Im Raum steht aber auch ein „Plan C“: Morgen Abend tagt der Aufsichtsrat des AUA-Eigentümers Lufthansa. Sollte es bis dahin keine Einigung in Wien geben, könnten die Deutschen endgültig die Geduld verlieren – und die AUA auf Basis der Tyrolean als Regionalairline neu gründen...

 

Die AUA muss den Rotstift ansetzen, um wirtschaftlich nicht gegen die Wand zu fliegen. Auch 2011 hat die AUA wieder mehr als 60 Millionen Euro Verlust eingeflogen. 220 Mio. müssen 2012 eingespart werden.

  • KV-Änderungen: Der härteste Knackpunkt in den Verhandlungen: Geplant ist, dass rund 2.300 AUA-Mitarbeiter auf ganz neue Kollektivverträge (KV) umsteigen müssen oder künftig dem rund 25 % günstigeren KV der AUA-Tochter Tyrolean unterliegen. Damit sollen die Personalkosten um rund 40 Mio. gedrückt werden. Der Betriebsrat will dem neuen Tyrolean-KV aber nicht zustimmen.
  • Kosteneinsparungen: 100 bis 120 Millionen Euro bringt eine Kosteneinsparung in fast allen Bereichen der Verwaltung: Konkret setzt die AUA bei Standortkosten am Flughafen Schwechat, bei Fluggebühren und Steuern, Verwaltung und bei den Lieferanten den Rotstift an.
  • Mehr Gewinn: Rund 60 Millionen Euro sollen künftig erzielte Erlöse zum Sparpaket beitragen. Mit einem verbesserten Streckennetz und neuen Destinationen vor allem bei Langstreckenflügen sollen 2012 mehr Passagiere mit der AUA fliegen.


 

Diashow: AUA-Piloten protestieren