Streit um Routenänderung der Autobahn

Weinviertel

Südliches Teilstück der A5 eröffnet

Für das Weinviertel bricht am Wochenende verkehrstechnisch eine "neue Zeitrechnung" an. Möglich wird das durch die Inbetriebnahme des ersten Teilstücks der Nordautobahn (A5) von Eibesbrunn bis Schrick und der S1 West (Korneuburg-Eibesbrunn). Damit ist das 51 km lange PPP(Public Private Partnership)-Projekt "Ypsilon" - S1, S2 und südlicher A5-Abschnitt - fertiggestellt.

Die offizielle Eröffnungsfeier ist am heute im Tradenbergtunnel auf der S1 West über die Bühne gegangen. Das "Ypsilon" als erstes hochrangiges PPP-Straßenprojekt in Österreich sei "zeitweise die größte Baustelle Mitteleuropas" gewesen, betonte Wilfried Rammler, Geschäftsführer der Hochtief PPP Solutions GmbH.

Bis zur Fertigstellung seien "unter Einhaltung der Kostenstruktur" 37 Monate vergangen, ergänzte Dietmar Aluta-Oltyan, Aufsichtsratspräsident der Alpine Bau GmbH. Die Gesamtauftragssumme habe 933 Mio. Euro betragen, davon 800 Mio. an Baukosten.

Die Asfinag hatte die Konzession für das PPP-Projekt an die private Bonaventura vergeben. Von der Gesellschaft wurde die Autobahn geplant, finanziert, errichtet und wird nun auch bis 2039 betrieben. Danach geht sie in das Eigentum der Asfinag über.

Dem Konsortium, das für Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb der Konzessionsstrecke zuständig war und ist, gehören mit je 44,4 % die Hochtief und Alpine sowie mit 11,2 % das französische Infrastrukturunternehmen Egis Projects SA an. Die Errichtung erfolgte zu jeweils 50 % durch Alpine und Hochtief. Die Baugemeinschaft Arge PPP Ostregion wurde durch die Alpine geführt.

Modernste Sicherheitstechnik

Auf der Baustelle sind bis zu 1.500 Beschäftigte tätig gewesen. Das Projekt inklusive vier Tunnel mit modernster Sicherheitstechnik, was auch der ÖAMTC hervorhob, weiters 14 Anschlussstellen, 76 Brücken, 18 Unterführungen, 81 km Lärmschutzwänden sowie Dämmen wurde in 1,3 Mio. h Arbeitszeit verwirklicht.

Die bewegte Erdmenge wurde bei der Eröffnungsfeier mit 10,3 Mio. Kubikmetern beziffert. Die Spitzenleistung an einem Tag habe 59.000 Kubikmeter betragen. Zwei Raststätten sind noch im Bau und sollen bis 2011 fertiggestellt sein.

Bonaventura erhält für das Zurverfügungstellen der Strecke Zahlungen in Form einer verkehrsabhängigen Schattenmaut. Für die Vergütung werden die Fahrzeuge auf dem neuen Straßenabschnitt gezählt, erläuterte Asfinag-Vorstand Klaus Schierhackl. Mit dem "Ypsilon" sei ein großer Teil des Regionenrings um Wien fertiggestellt, betonte sein Kollege Alois Schedl.

Der Lkw-Verkehr werde aus Ortschaften verschwinden, die Verkehrssicherheit steigen und es nicht zuletzt zu einer Zeitersparnis für die Benützer der neuen Verbindung kommen. Die noch offenen 35 km der A5 bis zur Staatsgrenze mit Tschechien in Drasenhofen sollen bis 2014 verwirklicht werden, bekräftigte Schedl.

Gewinn an Standortqualität

Niederösterreich habe über Jahre, wenn nicht sogar über Jahrzehnte um diese Projekt gekämpft, sagte Landeshauptmann Erwin Pröll. Mit der weiteren Ertüchtigung des hochrangigen Straßennetzes sei ein "stolzer Tag" erreicht. Die Region Weinviertel werde damit auch weiter an Standortqualität gewinnen.

Wegen der bevorstehenden Verkehrsberuhigung an der B7 freue er sich außerdem für die dortige Bevölkerung. Nicht zuletzt hob Pröll die Bedeutung der Anbindung der A5 ab 2014 an die R52 auf tschechischer Seite hervor. An der Eröffnungsfeier am Freitag nahm auch Tschechiens Botschafter in Wien, Jan Kukal, teil.

Sowohl das erste Teilstück der A5 als auch die S1 West sind jeweils zweispurig pro Fahrtrichtung und mit Pannenstreifen ausgestattet. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 130 km/h (in den Tunnelbereichen der S1 West sind es 100 km/h).

Was den Weiterbau der A5 angeht, ist das UVP-Verfahren für das Teilstück Schrick-Poysbrunn am 20. November 2009 mit der Ausstellung des UVP-Bescheides abgeschlossen worden. Für den Abschnitt von Poysbrunn bis zur Staatsgrenze bei Drasenhofen wird der Bescheid laut Asfinag voraussichtlich im Frühjahr 2010 ergehen.