Offene Machtfrage sorgt für Ärger

Deutsche Bank

Offene Machtfrage sorgt für Ärger

Investorenvertreter Hermes schießt nun gegen den Aufsichtsrat.

Die langwierige Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Josef Ackermann dürfte die Hauptversammlung der Deutschen Bank überschatten. Einen Tag vor dem Aktionärstreffen von Deutschlands größtem Geldhaus meldete sich der einflussreiche Investorenvertreter Hermes zu Wort und warf Aufsichtsratschef Clemens Börsig Versagen vor: "In Investorenkreisen wachsen Zweifel, ob der Aufsichtsrat der Deutschen Bank dieser Aufgabe in angemessener Weise gerecht wird", zitierte die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Mittwoch aus einem Brief von Hermes an das Gremium. Hermes Equity Ownership (HEOS) bestätigte die Existenz des Schreibens.

Der für Deutschland zuständige Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt sagte der Zeitung, die öffentliche Debatte drohe Vorstände der Bank zu beschädigen. Seit mehr als einem halben Jahr wird spekuliert, wer Ackermann nachfolgen könne, wenn er spätestens 2013 in den Ruhestand geht. "Es ist unklar, ob der Aufsichtsrat einen der derzeitigen Vorstände für den Vorsitz für geeignet hält", sagte Hirt. Am ehemaligen Favoriten, Investmentbank-Chef Anshu Jain, waren zuletzt intern Zweifel aufgekommen. Der oberste Risikomanager der Bank, Hugo Bänziger, gilt ebenfalls als einer der internen Anwärter.

Auch der zurückgetretene Bundesbank-Chef Axel Weber wird als Kandidat gehandelt, gegebenenfalls auch als Doppelspitze mit Jain. Die Deutsche Bank hatte von den Kontakten Webers in die Berliner Politik zu profitieren gehofft. Die Umstände seines Rücktritts ließen daran aber Zweifel aufkommen. Börsig suche nun einen Kandidaten, der kein Banker, wohl aber Vorstand bei einem bedeutenden Dax-Konzern sei und der in Politik und Wirtschaft hohes Ansehen genießt. Vorstände aus der Industrie haben bei der Deutschen Bank Tradition: Der ehemalige Finanzchef Börsig war von RWE gekommen, der heutige Finanzvorstand Stefan Krause arbeitete vorher für BMW.

Allerdings müssen Nicht-Banker in der Regel erst ein bis zwei Jahre als Generalbevollmächtigte arbeiten, ehe sie von der Bankenaufsicht BaFin die Erlaubnis erhalten, in den Vorstand einer Großbank aufzurücken - die sogenannte Geschäftsführungs- Befugnis. Ein Sprecher der Deutschen Bank bekräftigte, es gebe einen "klar strukturierten Prozess" zur Suche nach Ackermanns Nachfolger. "Der Aufsichtsrat wird zu gegebener Zeit seine Entscheidung treffen."

Auch der juristische Gegenwind, der der Deutschen Bank derzeit allerorten entgegenbläst, dürfte die Aktionäre auf der Hauptversammlung beschäftigen. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Klage der US-Regierung gegen die Bank, die sich in der Krise auf dem US-Häusermarkt nicht genügend um die Risiken in ihren Hypotheken gekümmert habe. Letztlich blieb der Staat, der Bürgschaften dafür übernommen hatte, auf einem Schaden von hunderten Millionen Dollar sitzen. Die betroffene Bank-Tochter MortgageIT hatte Jain 2007 gekauft - kurz vor Ausbruch der Krise.

Die Profi-Investoren treibt auch das Vergütungssystem der Bank um. Es sei intransparent, wonach sich die Gehälter der Deutsche-Bank-Manager bemessen, schreibt Hirt der "FTD" zufolge. Vor einem Jahr hatten nur 58 Prozent der Aktionäre dem neuen Vergütungssystem zugestimmt. Der Vergütungsbericht sei an einigen Stellen "an Unklarheit kaum zu überbieten". Auch der Aktionärsdienstleister ISS, auf dessen Ratschläge viele Fonds bei Hauptversammlungen hören, prangert dem Bericht zufolge die Intransparenz des Systems an.