Euro-Diskussion nach Parlamentswahlen im September

Griechenland und China schicken Euro auf Talfahrt

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Die Haushaltsprobleme Griechenlands und Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik in China haben den Euro am Mittwoch belastet. Die Gemeinschaftswährung kostete am Vormittag 1,4210 Dollar nach 1,4291 Dollar am Vorabend in New York. Im asiatischen Geschäft war der Euro zeitweise sogar auf bis zu 1,4166 Dollar gefallen und hatte damit den tiefsten Stand seit Mitte August markiert.

"Ein ganzes Bündel an Faktoren belastet den Euro und er könnte auch noch mehr unter Druck geraten. Die Hauptursache ist sicher Griechenland", sagte ein Händler. Die Sorge am Markt sei nach wie vor, dass auch andere EU-Länder in die Bredouille geraten könnten. "Außerdem belastet der Stopp der Kreditvergabe im Jänner in China den Euro und auch die Charttechnik sieht nicht gut aus." Der Rutsch unter die 200-Tage-Linie habe weitere Verkäufe ausgelöst.

Bankenkreisen zufolge haben die chinesischen Behörden einige große Geldhäuser angewiesen, für den Rest des Monats keine Kredite mehr zu vergeben. Damit solle die Gefahr einer Überhitzung der Konjunktur eingedämmt werden, nachdem die Banken zu Jahresbeginn immer mehr Kredite vergeben hätten. Börsianer fassten den Schritt als einen weiteren Hinweis auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik auf. "China tritt auf die Bremse und sorgt für steigende Risikoaversion", schrieben die Analysten von Metzler in einem Marktkommentar. Davon profitierte auch der Yen. Der Euro fiel zur japanischen Währung zeitweise bis auf 128,75 Yen und markierte damit den niedrigsten Stand seit Mitte Dezember.

Auch die schwierige Finanzlage Griechenlands blieb weiter ein Thema im Devisenhandel. "Der Euro ist nach der jüngsten Griechenland-Krise nicht mehr der gleiche wie zuvor", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Jürgen Stark untermauerte Aussagen des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, dass niemand die Absicht habe, wegen der schwierigen Haushaltslage Griechenlands die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes zu ändern. Rating-Agenturen hatten die Bonität Griechenlands wegen des hohen Defizits heruntergestuft.

Bundesbank schlägt Alarm

Die Bundesbank hat ebenfalls vor gefährlichen Nebenwirkungen einer gemeinsamen europäischen Rettung von Griechenland für die Stabilität des Euro gewarnt. "Gelingt es dort nicht, die Haushaltsprobleme rasch in den Griff zu bekommen, wird die Diskussion um einen europäischen Bail-out an Vehemenz gewinnen und schließlich eine Eigendynamik entfalten. Der am Ende resultierende Präzedenzfall würde aber die Legitimation des Euro in den übrigen Ländern massiv beschädigen und so an den Grundfesten der Währungsunion rütteln", sagte Vorstandsmitglied Hans Georg Fabritius in Leipzig.

Die Probleme in Griechenland und in Dubai zeigten, dass die globale Wirtschaft- und Finanzkrise noch keineswegs überwunden seien, sagte Fabritius. Auch der deutsche Finanzsektor habe noch längst nicht alle Probleme hinter sich und die Stabilität der Finanzmärkte sei "noch nicht endgültig gesichert". So seien einzelne Institute "durchaus noch nicht aus dem Gröbsten heraus". In "Einzelfällen" könne es sogar nochmals "Stützungsbedarf" geben, warnte der Notenbanker. Die Bundesbank geht davon aus, dass sich in den Bilanzen der deutschen Banken noch Belastungen von etwa 75 Mrd. Euro befinden, hauptsächlich in Form fauler Kredite.

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