Groteske um Spritpreis-Datenbank

Minister bedauert Sprit-Flop

Groteske um Spritpreis-Datenbank

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Fehlstart des Jahres: Neue Spritdatenbank funktioniert immer noch nicht.

Wer mit Hilfe der groß angekündigten Spritpreis-Datenbank die billigste Tankstelle in seiner Umgebung finden wollte, wurde auch am Mittwoch schwer enttäuscht: „Error“ leuchtete jenen entgegen, die www.spritpreisrechner.at anklickten. Die Serviceseite der Regulierungsbehörde „E-Control“ blieb auch 48 Stunden nach dem offziellen Start offline, ein Supergau für die Energieagentur des Bundes.

Wirtschaftsminister sauer wegen Sprit-Fehlstart
Dementsprechned sauer reagierte auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der die E-Control zur Ausarbeitung der Spritdatenbank beauftragt hat: „Ich bedaure, dass bei der Freischaltung des Spritpreisrechners Probleme aufgetreten sind“, kommentierte er den kapitalen Fehlstart. Die Installation einer EDV dieser Größenordnung stelle eben ein bestimmtes Risiko dar.

Gleichzeitig kann der Minister dem Technik-Flop auch etwas Positives abgewinnen: „Gerade die zahlreichen Anfragen bestätigen, dass der Bedarf für die Datenbank vorhanden ist“. Mitterlehner fordert von den Verantwortlichen rasche Aktionen, damit die Datenbank endlich funktioniert: „Sie muß in den nächsten Tagen technisch so adaptiert sein, damit diese Probleme nicht wieder auftreten“.

Innerhalb der „E-Control“ arbeiten derzeit 20 Experten an der Behebung des Problems: „Die Kapazität wird erweitert“, verspricht Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der Agentur und zuständig für die Datenbank: „Die Probephase war zu kurz, außerdem haben wir den Ansturm grob unterschätzt“ (siehe Interview). Laut Serverdienst „Alexa“, der Daten über Webseitenzugriffe durch Web-Benutzer sammelt, wollten zu Spitzenzeiten 992.162 Autofahrer die Seite aufrufen:“ Dienstag um 23.00 Uhr waren es noch 100.000“, sagt Mayer.

60.000.- Euro kostete der Sprit-Preisrechner
Der Aufbau der Datenbank verschlang bisher 60.000.- Euro: „Darin enthalten sind die Kosten für die Rechner sowie die Programmierarbeit“, rechnet er vor. Auf die Programmierer will der Projektleiter die Schuld für das Desaster nicht abwälzen: „Sie haben das geliefert, was wir von ihnen gefordert haben - mit diesem Spitzenandrang haben wir nicht gerechnet“. Wann die Seite nun endlich onlinewird, Konnte (wollte?) Mayer nicht sagen: „In Kürze“, meinte er.


Johannes Mayer, Chef der Datenbank:

»Haben Ansturm grob unterschätzt«

ÖSTERREICH: Was lief schief beim Aufbau der Spridatenbank, Herr Mayer?
Johannes Mayer: Wir haben den Ansturm leider grob unterschätzt, es hat am ersten Tag einfach mehr Anfragen gegeben, als wir abarbeiten konnten. Sobald größere Anfragewellen dahergekommen sind, brach das System zusammen. Am Dienstag gegen 23.00 Uhr hatten wir noch 100.000 Zugriffe, obwohl im Fernsehen Fußball lief. Im Schnitt wollten bis zu 500.000 auf unsere Seite.

ÖSTERREICH: Wie wollen Sie das Problem nun in den Griff bekommen?
Mayer: Programmierer externer Softwarefirmen, die für uns die Datenbank aufgebaut haben, arbeiten an der Lösung, das System wird erweitert, optimiert. Etwa 20 Leute umfasst derzeit das Team.

ÖSTERREICH: Welche Firmen sind für den Pfusch verantwortlich?
Mayer: Das war kein Pfusch, die Programmierer haben im wesentliche jene Forderungen erfüllt, die wir von ihnen haben wollten. Sie haben ein System nach unseren Vorgaben aufgebaut. Vorlage waren jene 1,5 Millionen Serverzugriffe, die ÖAMTC und ARBÖ haben – pro Monat. Diese Zahl haben wir hochgerechnet und uns dabei grob verschätzt.

ÖSTERREICH: Gab es keinen Probelauf?
Mayer: Klar, aber der Echtbetrieb konnte natürlich nicht simuliert werden.

ÖSTERREICH: Was hat die Datenbank bisher gekostet?
Mayer: 60.000.- Euro. Darin enthalten ist die gesamte Programmierarbeit, die Hardware, Personal.

ÖSTERREICH: Wann wird die Seite funktionieren?
Mayer:
In einigen Tagen.

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