Proteste der Aktionäre vor der Hauptversammlung

HRE-Aktionäre gegen Zwangsverstaatlichung

Vor dem Beginn der letzten HV des Immokonzerns haben die verbliebenen Aktionäre nochmals gegen die Zwangsverstaatlichung protestiert.

"Wir empfinden das als eine kalte Enteignung", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Am Eingang brachten die Aktionäre ein Schild mit der Aufschrift: "Hier geht's zur Enteignungsversammlung" an und sammelten Protestunterschriften. Bei der Hauptversammlung will der Bund das Squeeze Out der Aktionäre beschließen, um die Sanierung des Konzerns alleine voran zu bringen.

Bund will volle Kontrolle

Die Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) trafen sich um 10 Uhr in München zur vorerst letzten Hauptversammlung. Ein Jahr nach der Notrettung der deutschen Immobilienbank will der Bund die umstrittene Zwangsverstaatlichung des Konzerns unter Dach und Fach bringen. Dazu sollen die noch verbliebenen Kleinaktionäre herausgedrängt und abgefunden werden.

Die Aktionäre laufen dagegen seit Monaten Sturm, können am Ergebnis der Abstimmung allerdings nichts ändern, da der Bund bereits 90 % der Aktien hält. Die Anleger sollen für ihre Aktien eine Abfindung von 1,30 Euro pro Stück erhalten. Die HRE war im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten und nur mit staatlicher Hilfe vor der Pleite bewahrt worden.

EU fordert stärkere Schrumpfung

Das Sanierungskonzept der Hypo Real Estate geht der EU-Kommission einem Zeitungsbericht zufolge nicht weit genug. Neben der Aufspaltung des Geschäfts in einen guten und einen schlechten Teil, fordere die Kommission noch eine stärkere Schrumpfung des gesunden Teils der Immobilienbank, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf das Umfeld des Instituts. "Die Verhandlungen über den vorgelegten Umstrukturierungsplan und die Auflagen für die staatlichen Beihilfen verlaufen mit der EU wenig konstruktiv", hieß es.

Die marode Hypo Real Estate will Vermögenswerte von gut 200 Mrd. Euro in eine sogenannte Bad Bank verschieben und dort langsam abbauen. Die Kerngeschäftsfelder Immobilien- und Staatsfinanzierung sollen erhalten bleiben. Allerdings braucht das Institut noch sieben Milliarden Euro neues Kapital, drei Milliarden Euro sind bereits geflossen. In Deutschland halten Bund und Banken die HRE nach der Beinahe-Pleite vor einem Jahr mit Garantien von 100 Mrd. Euro künstlich am Leben.