80 Milliarden Euro

Iren greifen nach Euro-Rettungsschirm

Offiziell um Hilfe bat Irland noch nicht, aber die Vorbereitungen laufen.

Nach Griechenland dürfte nun auch Irland unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Das finanziell marode Land hat zwar noch nicht offiziell um Hilfsgelder angesucht, doch mehrere Vertreter verschiedener Euro-Länder bestätigen Gespräche über eine eventuelle Nothilfe. Das klamme Land könnte Marktgerüchten zufolge rund 80 Milliarden aus dem 750 Milliarden schweren Euro-Schutzschirm erhalten.

Irland: "Der Staat ist bis Juni komplett ausfinanziert"
Der irische Finanzminister, Brian Lenihan, wurde nicht müde zu betonen, dass das Land noch keinen Antrag auf Hilfe gestellt habe. Lenihan sagte am Freitag: "Der Staat ist bis Juni komplett finanziert und wir haben ausreichende Reserven." Sein Land sei daher "gar nicht in einer Situation, in der es den Rettungsschirm anrufen muss". "Warum sollte man unter diesen Umständen solch eine Hilfe beantragen. Das hat keinen Sinn", so der Finanzminister.

Auch Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker winkte ab: Das Land habe momentan nicht um Hilfe gebeten. "Und ich habe keinen unmittelbaren Grund, anzunehmen, dass Irland fragen wird", so der Luxemburger Regierungschef.

Hilfe würde sehr wahrscheinlich gewährt werden
Die Chancen auf finanzielle Unterstützung für Irland sind groß. "Wenn Irland um Hilfe bitten würde, würde es die vom Euro-Schutzschirm erhalten. Aber die Frage wurde nicht gestellt", sagte Jean-Claude Juncker.

Irland mit Problemen
In Irland türmen sich die Probleme: Das Land ächzt unter den Folgen der Finanzkrise, die den Bankensektor in Schieflage gebracht hat. Der Staat musste Nothelfer spielen und Milliarden zur Stützung der Banken investieren, während die Wirtschaft auf Talfahrt ging. In der Folge ist das Staatsdefizit explodiert.

Aussicht auf Hilfe beruhigt Anleihemärkte
Die Aussicht auf EU-Hilfen sorgte für Entspannung an den Anleihemärkten: Die zuletzt auf immer neue Höchststände gekletterten Risikoaufschläge für irischer Staatsanleihen gingen spürbar zurück. Sie waren zuvor auf über acht Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit der Einführung des Euro 1999. Grund war offenbar die Angst der Investoren vor einem Schuldenschnitt - dann würden Gläubiger bei einer Zahlungsunfähigkeit Irlands teilweise leer ausgehen.