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Casinos-Deal

Jackpot für Novomatic

Verkaufspoker um den teilstaatlichen Monopolisten: Holt sich Novomatic jetzt die Mehrheit?

Alles ist möglich: Mit einer von langer Hand vorbereiteten Attacke auf den Erzrivalen Casions Austria (Casag) hat die Novomatic die Karten in der Glücksspielbranche komplett neu gemischt: Der niederösterreichische Glückspielriese schnappte sich jetzt in einem Handstreich 28,1 Prozent an den Casinos (Grafik) – und hat Appetit auf ein noch größeres Stück.

Entbrannter Poker um Casinos-Anteile geht weiter
Die Kriegskasse der Novomatic – mit mehr als 3,8 Milliarden Umsatz im letzten Jahr – ist prall gefüllt.

Die plötzliche Kursänderung der Novomatic – die ein Interesse an den Casinos immer dementierte – liegt sicher am Scheitern der Lizenzen für zwei Casinostandorte im Wiener Prater und in Bruck/Leitha. Das Verwaltungsgericht kippte kürzlich die Lizenzen nach einer Beschwerde der Casinos Austria, die leer ausgegangen waren.

Verstaatlichung abgeblasen. Klar ist: Finanzminister Schelling kann seine geplante Verstaatlichung der Casinos (er hält über die Staatsholding ÖBIB 33,2 Prozent), die er unter dem Druck der Novomatic anleierte, in den Wind schreiben. Und die Novomatic zahlt jetzt für die Anteile deutlich mehr als ÖBIB könnte.

Bald Mehrheitseigentümer? Jetzt wird es für Novomatic richtig spannend: Anteile an den Casinos haben noch etwa die Kirchenbank Schellhammer & Schattera sowie die Medial-Gruppe (u.a. Uniqa, VIG). Vielleicht will Novomatic jetzt tatsächlich alles haben – und kauft Schelling auch den Staatsanteil für richtig viel Geld ab.

Johann F. Graf: Vom Lehrling zum Gründer eines Milliarden-Weltkonzerns

Der Casinos-Deal ist das Husarenstück von Johann F. Graf. Nur ein Einzelunternehmer stand seit 35 Jahren dem Machtblock des Monopolisten am österreichischen Glücksspielmarkt gegenüber – mit dem Einstieg beim Errivalen ist Graf jetzt (fast) am Ziel. Gestartet ist der gelernte Fleischermeister 1980 mit dem Verkauf von Flipper-Automaten in Gumpoldskirchen. Startkapital: Sein Erspartes von 50.000 Schilling (3.634 Euro). 35 Jahre nach der Gründung ist die Novomatic-Gruppe einer der größten Glücksspielkonzerne der Welt – und „der Professor“ mit einem geschätzten Vermögen von 6,5 Mrd. Dollar der zweitreichste Mann in Österreich.