Barack Obama

Erst Europa, jetzt die USA

Weltweite Schuldenkrise spitzt sich zu

Nach Griechen und Iren drohen jetzt auch die USA im Schuldensumpf zu versinken.

Nicht nur die Krisen der Euro-Länder Irland, Griechenland und Portugal erschüttern die internationalen Finanzmärkte - nun könnte auch den USA die Pleite drohen , wenn sich die US-Regierung und der Kongress nicht bald auf eine Erhöhung der Verschuldungsgrenze einigen.

Die Ratingagentur Moody's drohte mit einem umgehenden Entzug der Bonitäts-Bestnote "Aaa" für die USA. Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben. Falls die Gespräche mit den Republikanern, die im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben, scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Ein solcher "Super-GAU" in der Schuldenkrise der größten Wirtschaftsmacht würde die Finanzmärkte weltweit erschüttern.

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Grafik: Größte Gläubiger der USA
× Grafik: Größte Gläubiger der USA


Nerven liegen blank
Angesichts dessen liegen die Nerven anscheinend mittlerweile blank. Der Präsident habe gesagt, genug sei genug und die jüngste Gesprächsrunde abrupt verlassen, verlautete aus Reihen der Republikaner. Obama habe erklärt, er werde nicht weiter nachgeben, auch wenn er seine Präsidentschaft riskiere.

"Schockwellen" für das Finanzsystem
US-Notenbankchef Ben Bernanke forderte eine Anhebung der Schuldengrenze. "Ein Kreditausfall könnte eine große Krise verursachen", sagte Bernanke. Schockwellen für das Finanzsystem wären die Folge. Die Budgetsituation der USA sei nicht tragbar und müsse ernsthaft angegangen werden.

Griechenland bleibt Europas Sorgenkind Nr. 1
Die Ratingagentur Fitch hatte die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Mittwoch auf "CCC" herabgestuft und damit nur knapp vor einem Zahlungsausfall. EU und Währungsfonds hätten noch kein umfassend finanziertes und glaubwürdiges zweites Hilfsprogramm aufgelegt. Zudem sorge die mögliche Beteiligung des privaten Sektors an einem zweiten Hilfspaket für zunehmende Verunsicherung, lautete die Begründung.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou pocht darauf, dass die EU-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) rasch über ein zweites Hilfspaket für Griechenland entscheiden. "Die aktuelle Stimmung hilft uns nicht, aus der Krise herauszukommen", sagte Papandreou in einem Interview der "Financial Times Deutschland".

Irland auf "Ramschniveau"
Das kleine Land ächzt unter einem Schuldenberg von 148 Mrd. Euro (2010) - das klingt wenig im Vergleich zu Italiens 1,84 Billionen, macht aber 96,2 Prozent des irischen Bruttoinlandsproduktes aus. Erlaubt sind nach den Spielregeln der Währungsunion allenfalls 60 Prozent. Die irische Regierung reagierte mit Steuererhöhungen und heftigen Sparmaßnahmen.

Am Mittwoch hatte Moody's nach Griechenland und Portugal nun auch Irland auf «Ramschniveau» herabgestuft. Damit zweifelt Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes an - und warnt Investoren vor den Gefahren eines Investments. Für das hoch verschuldete Irland dürfte es nun noch schwieriger und teurer werden, an frisches Geld zu gelangen.

Auch Italien in der Schuldenfalle
Nach Griechenland, Irland und Portugal gilt Italien als der nächste Kandidat der Eurozone, der auf Hilfe angewiesen sein könnte. Das hoch verschuldete Land will mit einem vierjährigen Sparpaket seinen Haushalt bis 2014 ausgleichen. Das Paket soll heute im Parlament abgesegnet werden. An den Finanzmärkten ging in den vergangenen Tagen die Angst um, Italien könnte vollends in den Strudel der Schuldenkrise geraten.

Die Regierung Berlusconi will mit dem milliardenschweren Paket das Ruder herumreißen. Pensionen, öffentliche Verwaltung und Gesundheit - vor allem in diesen drei Bereichen will die Regierung den Rotstift ansetzen. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti kündigte auch eine massive Privatisierungswelle an.

Tremonti warnte Europa vor der Gefahr eines Zusammenbruchs: "Europa hat ein Treffen mit dem Schicksal. Die Rettung kommt nicht von der Finanz, sondern von der Politik. Die Politik darf aber keine Fehler begehen. Es ist wie auf der Titanic: Auch die Passagiere der ersten Klasse retten sich nicht."