Wird Island noch einmal herabgestuft?

Ratingagentur prüft

Wird Island noch einmal herabgestuft?

Gründe: ungelöste Icesave-Rückzahlungen und Verbot von Fremdwährungskrediten.

Island droht eine neuerliche Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Moody's deutete an, sie könnte den derzeit mit Baa3 bewerteten Status der Nordatlantikinsel bei den langfristigen Schulden wieder herabstufen, falls es nicht bald gelingt, in den festgefahrenen Verhandlungen mit London und Den Haag über die Rückzahlung von geplatzten Konten der ehemaligen Icesave-Bank eine Lösung zu erzielen.

Moody's glaubt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) und die nordeuropäischen Staaten die Weiterzahlung von Darlehen in Milliardenhöhe Euro an die isländische Regierung deswegen aussetzen könnten. Der IWF hatte erst vor wenigen Tagen eine vorsichtig positive Beurteilung der Entwicklung der isländischen Finanzen und Wirtschaft abgegeben. Der nächste ausführliche IWF-Bericht zu Island wird im September erwartet.

Die US-Ratingagentur begründete die gestern, Donnerstag gemeldete Senkung des erst im April auf "stabil" gehobenen Ausblicks für Island wieder auf "negativ" weiters mit der jüngsten Entscheidung des Höchstgerichts in Reykjavik, wonach die Vergabe von Wechselkurs-gebundenen Fremdwährungskrediten gesetzeswidrig ist. Dies könnte den isländischen Banken "beträchtliche" Verluste einbringen, so die Rating-Agentur.

Das vor einem Jahr ausverhandelte Rückzahlungsschema für von rund 3,9 Mrd. Euro Schulden aus den "Icesave"-Konten der im Herbst 2008 zusammengebrochenen zweitgrößten isländischen Bank Landsbanki wurde am 6. März dieses Jahres von 93 Prozent der Isländer in einer Volksabstimmung abgelehnt. Seither sind die Verhandlungen zwischen Island, Großbritannien und den Niederlanden weitgehend auf Eis.

Am vergangenen Dienstag leiteten Brüssel und Reykjavik offiziell die Verhandlungen über den geplanten EU-Beitritt Islands ein. Die Rückzahlung der internationalen Schulden des Landes gilt neben der Fischerei als eine der größten Hürden auf dem Weg zu einer möglichen EU-Mitgliedschaft Islands. Außerdem hätte laut aktuellen Umfragen selbst ein positives Verhandlungsergebnis keine Chance, in der nach derzeitiger Lage notwendigen Volksabstimmung angenommen zu werden.