Griechenland bittet EU und IWF um Finanzhilfe

Wegen einer drohenden Staatspleite flüchtet sich Griechenland in die Arme der Europartner und des IWF: Erstmals in der Geschichte der Währungsunion soll damit ein Mitgliedsland vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden. Österreich hilft mit bis zu 858 Mio. Euro aus. Dem Steuerzahler entstünden keine Kosten, weil das Darlehen mit Zinsen zurückbezahlt werden müsse, so Finanzminister Pröll.

"Es ist zwingend, dass wir um die Aktivierung des Rettungsmechanismus bitten", sagte der griechische Regierungschef Papandreou in dem dringenden Hilfsappell an die Partner in Brüssel und Washington. EU und IWF sagten zu, schnell auf den Hilferuf zu reagieren. Wegen explodierender Kosten für die Schuldenaufnahme war die Regierung in Athen unter Druck geraten, rasch die Reißleine zu ziehen. Das Rettungspaket könnte mit einem Volumen von 45 Mrd. Euro allein im ersten Jahr mittelfristig die bisher größte derartige internationale Stützungsaktion werden.

Nach Angaben des griechischen Finanzministers Papakonstantinou kann die erste Tranche aus dem Hilfspaket bereits vor dem 19. Mai fließen. Dann benötigt die Regierung rund 8,5 Mrd. Euro an frischem Geld, um eine fällige Staatsanleihe zurückzuzahlen. Insgesamt summiert sich der Refinanzierungsbedarf des klammen EU-Staats innerhalb der nächsten zwölf Monate auf schätzungsweise 39 Mrd. Euro.

Nach einem griechischen Antrag müssen zunächst die EZB, IWF und die EU-Kommission Hilfen für Griechenland befürworten. Dann müssen die 16 Regierungen der Eurostaaten einen einstimmigen Beschluss fassen - Deutschland hat ein Vetorecht. Erst dann ginge es um die Umsetzung innerhalb Deutschlands. Nach dem offiziellen Hilfsgesuch Griechenlands atmeten die Finanzmärkte zunächst auf. Der Euro und die Aktienmärkte legten zu.

In Athen und in Thessaloniki demonstrierten noch am Abend mehrere hundert Menschen gegen die Entscheidung der griechischen Regierung für Finanzhilfen. In Athen kam es zu kurzen Zusammenstößen mit der Polizei, als die Sicherheitskräfte ein Vordringen der Protestierenden auf die Vertretung der EU-Kommission verhinderten.