Russland erinnert an Politkowskaja-Mord

3 Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Anna Politkowskaja wurde mit Mahnwachen an das Verbrechen erinnert.

In St. Petersburg, Moskau und London waren bis zum Mittwochabend (7.10.) zahlreiche Veranstaltungen zur Verteidigung der Pressefreiheit geplant, wie die Agentur Interfax meldete.

Zum dritten Todestag der Journalistin der Zeitung "Nowaja Gaseta" bestätigten russische Fahnder, dass gegen weitere Verdächtige in dem Mordfall ermittelt werde. Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 vor ihrer Moskauer Wohnung erschossen worden. Der bisher nicht aufgeklärte Mord hatte international Bestürzung ausgelöst.

Medien nannten am Mittwoch die Namen sechs neuer Verdächtiger, darunter ein früherer Polizist, ein Geschäftsmann sowie Männer aus der Kaukasusregion. Die russischen Behörden hatten in der Vergangenheit den Tschetschenen Rustam Machmudow als Mörder genannt, der auf der Flucht ist.

Angeklagt waren bisher nur zwei Brüder Machmudows sowie zwei weitere mutmaßliche Komplizen. Das Oberste Gericht Russlands hatte frühere Freisprüche für diese vier Beschuldigten aufgehoben und dann auf Forderungen der Familie Politkowskajas die neuen Ermittlungen angesetzt.

Die Anwältin der Familie, Anna Stawizkaja, warnte vor überzogenen Erwartungen an die neuen Untersuchungen. Traditionell gebe es auch wegen des internationalen Drucks zum Jahrestag des Todes der Journalistin, die über "Staatsterror" im früheren Kriegsgebiet Tschetschenien berichtet hatte, behördliche Mitteilungen zur Aufklärungsarbeit in dem Mordfall, sagte Stawizkaja. "Unsere ganze Familie verliert allmählich die Hoffnung darauf, dass alle Komplizen dieses Verbrechens gefunden und verurteilt werden", sagte Vera Politkowskaja, die Tochter der Ermordeten.

In Moskau wollten am Abend prominente Regierungskritiker bei einer Kundgebung Aufklärung auch der vielen anderen Morde an russischen Journalisten und Menschenrechtlern fordern und gegen die politische Jagd auf Journalisten protestieren. Für Aufsehen sorgten zuletzt die Straßenproteste der regierungstreuen "Naschi"-Jugend gegen den Journalisten Alexander Podrabinek, der sich und seine Familie bedroht sieht.

Der Fall des Journalisten, der mit einem Artikel den Unmut sowjetischer Kriegsveteranen auf sich gezogen hatte, führte am Mittwoch zu einem offenen Streit zwischen dem Kreml und der von Regierungschef Wladimir Putin geführten Partei Geeintes Russland um die Meinungsfreiheit.