Der ORF braucht einen Wandel, fordern ehemalige Journalistinnen und Journalisten in einem offenen Brief an die Politik.
"Es braucht jetzt eine Person an der Spitze, die den ORF reformieren kann", heißt es in dem Schreiben, unterzeichnet u.a. von Eugen Freund, Ernst Gelegs, Paul Lendvai, Rudolf Nagiller, Gisela Hopfmüller und Fritz Ortner. Das Haus müsse von innen erneuert werden. Die Politik müsse den Wandel ermöglichen, aber der ORF dürfe kein Spielball der Parteien sein.
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"Jedes Unternehmen, das so lange besteht, muss einen Erneuerungsprozess durchgehen", heißt es in dem der APA vorliegenden offenen Brief weiter. Die zukünftige Führungskraft müsse wissen, welche Stärken sie und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, "und wie man diese weiter zum Wohle der Bevölkerung einsetzt" und "wo man ab Tag eins mutig reformieren muss".
"Wir haben jahrzehntelang im ORF gearbeitet, als Reporterinnen und Reporter, Korrespondentinnen und Korrespondenten, Sendungsverantwortliche, Chefredakteurinnen und Chefredakteure, Direktorinnen und Intendanten" - in einer Zeit, "als der ORF von weiten Teilen der Bevölkerung großes Vertrauen genossen hat", so die Unterzeichner. Man wolle jetzt nicht schweigen.
"ORF gehört der Bevölkerung"
Mit großer Sorge beobachte man, wie das Vertrauen in den ORF erschüttert worden ist: "Wir hören von Machtmissbrauch und Mobbing, die ohne Konsequenzen bleiben. Von Frauen, die belästigt worden sind, oft ohne Konsequenzen. Von Lobbyisten im Stiftungsrat, die nicht im Sinne des ORF und der Gebührenzahlerinnen und -zahler handeln, sondern für ihre Kundinnen und Kunden und damit für die eigene Gewinnmaximierung. Die Redaktion hat einigen Stiftungsräten bereits ihr Misstrauen ausgesprochen. Auch hier keine Konsequenzen."
Mit Blick auf die Vorgänge im Stiftungsrat richteten die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen "dringenden Appell": "Der ORF gehört der Bevölkerung. Und sie wird durch die gewählten Parteien vertreten. Die Politik hat also das Recht da einzugreifen, wo sie Verantwortung trägt und die Pflicht, sich dort herauszuhalten, wo sie nichts mitzureden hat."