Insolvenz

TV-Beben: Teleshopping-Riese QVC ist pleite

Die Firmengruppe hat Schulden in Milliardenhöhe 

Was über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Fernsehalltags war, steht nun vor einem tiefgreifenden Umbruch: Der traditionsreiche Teleshopping-Sender QVC hat Insolvenz angemeldet. Mit einem Schuldenberg von rund 6,6 Milliarden US-Dollar gerät einer der bekanntesten Player der Branche massiv unter Druck – und steht exemplarisch für den Niedergang eines ganzen Geschäftsmodells.

Seit seiner Gründung im Jahr 1986 prägte QVC das Teleshopping wie kaum ein anderes Unternehmen. Das Konzept war simpel und erfolgreich: Produkte wurden rund um die Uhr im Fernsehen präsentiert und konnten direkt per Telefon bestellt werden. Millionen Zuschauer weltweit griffen zu – oft spontan und bequem vom Sofa aus.

QVC
© QVC

Doch mit dem digitalen Wandel begann der langsame, aber stetige Bedeutungsverlust. Spätestens seit den 2010er-Jahren hat sich das Kaufverhalten grundlegend verändert. Plattformen wie Online-Marktplätze und soziale Netzwerke bieten nicht nur mehr Auswahl, sondern auch interaktive Einkaufserlebnisse. Livestream-Shopping, Influencer-Marketing und personalisierte Werbung haben das klassische Fernsehen längst überholt.

Ein erster großer Einschnitt erfolgte 2017, als QVC mit dem ebenfalls angeschlagenen Konkurrenten Home Shopping Network (HSN) fusionierte. Ziel war es, Synergien zu nutzen und Kosten zu senken. Doch auch dieser Zusammenschluss konnte den strukturellen Wandel nicht aufhalten.

Kein Einzelfall

Die Krise ist dabei kein Einzelfall. Auch in Europa zeigt sich ein ähnliches Bild: Teleshopping-Sender verlieren zunehmend an Relevanz. In Deutschland musste Channel21 Insolvenz anmelden, während in Österreich MediaShop sein Geschäft ganz einstellte. Branchenexperten sehen darin einen klaren Trend: Lineares Fernsehen verliert als Verkaufsplattform immer weiter an Bedeutung.

Trotz der Insolvenz gibt sich QVC kämpferisch. Das Unternehmen betont, weiterhin über mehr als eine Milliarde US-Dollar an Liquidität zu verfügen. Gehälter und Geschäftspartner sollen weiterhin bedient werden, der Sendebetrieb läuft vorerst weiter. Statt eines kompletten Rückzugs plant der Konzern eine umfassende Restrukturierung.

Die Zukunft sieht QVC dabei klar im Digitalen. Besonders Livestream-Verkäufe – etwa über Plattformen wie TikTok – sollen ausgebaut werden. Laut Unternehmensangaben konnte man sich dort bereits als einer der führenden Anbieter etablieren und neue Zielgruppen erreichen. Parallel investiert QVC in eigene Streaming-Dienste wie QVC+ und HSN+, die klassische Teleshopping-Elemente mit modernen Sehgewohnheiten verbinden sollen.

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