Die Aussichten für die Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Bundeshauptstadt Wien sind düster: Die Wiener AMS-Chefin Claudia Finster rechnet damit, dass sich die Situation nicht vor 2013 verbessern wird. Im Gegenteil: In den nächsten zwei Jahren werde die Arbeitslosenquote, die im Juni in Wien bei 8,1 Prozent und somit im Österreich-Vergleich an der Spitze lag, noch ansteigen.
"Momentan ist die Arbeitsmarktsituation in Wien eher stabil", verwies sie auf die vergleichsweise geringe Zunahme der Arbeitslosenrate von 8,4 Prozent im ersten Halbjahr. Bundesweit betrug das Plus von Jänner bis Juni 24,6 Prozent. Diese Führungsposition werde sich jedoch nicht halten lassen: "Wenn sich die Bundesländer wieder erholen, wird Wien hinterherhinken." Sie gehe jedoch davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote in der Donaumetropole im einstelligen Prozentbereich halten lasse. Genaue Prognosen seien momentan nicht möglich.
"Wir halten unser Arbeitslosenniveau mit Gewalt", unterstrich die Chefin in Hinblick auf den Anstieg der AMS-Schulungen. Diese lagen zwischen Jänner und Juni bei rund 22.000, wobei in den vergangenen drei Monaten ein Plus von jeweils mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet wurde. Den Vorwurf von "Alibi-Kursen" will sie aber nicht gelten lassen. Zwar gebe es Schulungen, die nie zu einem Abschluss kämen. Diese würden sich jedoch an Langzeitarbeitslose richten, bei denen es nicht vorrangig um die Vermittlung von Inhalten gehe, sondern um die Schaffung fester Zeitstrukturen.
Als zweites Problemfeld ortet sie die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Jugendlichen unter 24 in Arbeitslosigkeit. Deren Zahl stieg im Juni zuletzt um 29,7 Prozent. Um dies einzudämmen, lege man besonderen Fokus auf Beratungs- und Berufsorientierungsmaßnahmen, spezielle Stiftungen oder auf überbetriebliche Ausbildungsplätze.