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Pröll-Interview

"Zwei Vorstände für Flughafen reicht"

Die Querelen im Flughafen-Vorstand müssten endlich ausgeräumt werden und die Herren sich aufs Arbeiten besinnen, sagt Erwin Pröll.

Am Flughafen Wien tobt eine Schlammschlacht. Erst verdichteten sich Gerüchte um eine Ablöse von Vorstandssprecher Herbert Kaufmann (SPÖ) – dann beruhigte sich diese Front, nun ist Vorstand Ernest Gabmann (V) dran. Es hagelt Vorwürfe rund um Freunderlwirtschaft. All das vor dem Hintergrund explodierender Baukosten für das Skylink-Terminal. NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll (das Land hält 20 % am Flughafen) spricht nun Klartext.

ÖSTERREICH: Herr Landeshauptmann, Sie haben kein Verständnis für Boni für die Flughafen-Chefs. Können Sie die nicht kraft Ihres Amtes als Eigentümervertreter verbieten?
Erwin Pröll: Das liegt nicht in meiner rechtlichen Kompetenz, sondern ist Sache des Aufsichtsrats. Ich erwarte mir aber, dass die Gremien meiner Argumentation folgen.

ÖSTERREICH: Haben Sie das bereits mit dem Aufsichtsratschef besprochen?
Pröll: Ja, es gab schon einen Termin. Und ich habe den Eindruck, dass der Aufsichtsratsvorsitzende mein Anliegen versteht.

ÖSTERREICH: Wie sollte eine neue Regelung aussehen?
Pröll: Meinem Verständnis von Bonuszahlungen entspricht es nicht, wenn sie pro futuro geleistet werden. Man kann Boni nur an Erfolge und Fortschritte koppeln. Man muss sich das vorstellen: 66 Prozent des ohnehin hohen Gehalts als Bonus – das ist ja nicht normal. Und das an einen Vorstand, der uns so viel zu kiefeln aufgibt. In einer Zeit, wo überall gespart werden muss.

ÖSTERREICH: Gilt das auch für eventuelle Boni für Ihren Ex-Landesrat Gabmann?
Pröll: Natürlich, da gibt es nichts zu differenzieren. Da ist Gabmann inkludiert.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zu den Vorwürfen gegen Gabmann?
Pröll: Ich halte nichts von anonymen Vorwürfen. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn so Schwerwiegendes hinter vorgehaltener Hand vorgebracht wird. Handfeste Leute stellen sich hin und sprechen das von Angesicht zu Angesicht aus.

ÖSTERREICH: Ist ein Vorstand, der so unter Beschuss steht, noch handlungsfähig?
Pröll: Fest steht, dass die Querelen endlich ausgeräumt werden müssen und sich die Herren darauf besinnen, wofür sie bestellt wurden und wo ihre Kernkompetenz liegt: nämlich zu arbeiten. Es gibt genug zu tun.

ÖSTERREICH: Macht ein 3er-Vorstand überhaupt Sinn?
Pröll: Meiner Meinung nach genügt ein Zweier-Vorstand.

ÖSTERREICH: Dem Vernehmen nach haben Sie das schon mit dem Eigentümervertreter der Gemeinde Wien, Bürgermeister Häupl, abgesprochen?
Pröll: Ich habe meine Ansicht bereits klargestellt.

ÖSTERREICH: Wird das Skylink-Terminal je fertig?
Pröll: Ich bin optimistisch, an sich ist ja alles auf Schiene. Ich bin überzeugt, dass Skylink 2012 fertiggestellt ist.

Interview: Werner Schima