Ganz Europa zittert
Delta-Variante: Wo die Corona-Zahlen jetzt explodieren
© OE24
In Lissabon sorgt die Delta-Variante für eine Abriegelung (Lockdown) bis Montag. Dabei galt Portugal noch vor wenigen Wochen als Pandemie-Bezwinger. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag da bei sechs.
Seit aber der Tourismus geöffnet wurde – viele Briten waren etwa zu Besuch –, breitet sich die Delta-Variante dort aus. Die Mutante ist um 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante (B.1.1.7), die wiederum schon um 35 Prozent ansteckender war als die Wildvariante, mit der die Welt im vergangenen Sommer konfrontiert war.
Das sind die Hotspots
Länder-Check. Und genau das wird nun für ganz Europa zum Problem:
- In Großbritannien hat sie bereits zu einem extrem starken Anstieg – trotz weit höherer Impfquote als im EU-Raum – und zur Verschiebung der Lockerungen geführt.
- In Russland, wo sie sich fatal ausbreitet, sorgt sie nun ebenfalls für neue Verschärfungen angesichts von Rekordanstiegen an Neuinfektionen.
- In Frankreich geht man von vier Prozent der Variante aus – Tendenz steigend –, in Deutschland von bis zu sechs Prozent.
Hier gibt's die meisten Corona-Fälle
| Großbritannien | 80 |
| Spanien | 72 |
| Russland | 64 |
| Belarus | 62 |
| Portugal | 57 |
| Lettland | 53 |
| Türkei | 50 |
| Niederlande | 48 |
| Dänemark | 43 |
| Griechenland | 41 |
Drosten: "Wirklich ernst nehmen"
Nach Einschätzung des Charité-Virologen Christian Drosten muss Deutschland die Delta-Variante in der Pandemie ab sofort ernst nehmen. "Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante", sagte Drosten am Freitagabend auf dem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. "Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen."
Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts für die erste Juniwoche hatte sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. In den Wochen zuvor stagnierte diese Mutante bundesweit eher um die zwei Prozent. "Vom Gefühl her kann ich sagen, uns rufen immer mehr Leute an, die Ausbrüche beschreiben, immer mehr Labore", sagte Drosten. Gerade in Süd-Dänemark und Schleswig-Holstein gebe es gerade ein Ausbruchsgeschehen. "Das erinnert mich an den Beginn der B.1.1.7-Epidemie in Deutschland, wo es genauso war", sagte Drosten. Die ansteckendere Variante B.1.1.7., die 2020 in Großbritannien bekannt wurde, hatte Deutschland im Winter in die dritte Pandemiewelle getrieben. Eindämmungsmaßnahmen kamen zu spät oder waren zu inkonsequent.
Die Situation jetzt in Deutschland sei mit der in England im Mai durchaus ein wenig vergleichbar, analysierte Drosten. In Großbritannien hatte die ansteckende Delta-Variante innerhalb weniger Wochen trotz fortgeschrittener Impfquoten die Vorherrschaft übernommen. Die Inzidenzen stiegen wieder von 20 auf 70. Lockerungen wurden deshalb gestoppt. Angesteckt hätten sich dabei vor allem junge Erwachsene - zum Beispiel beim Feiern oder auch in der Gastronomie, sagte Drosten. Die Infektionen hätten sich in England vorwiegend in den Impflücken abgespielt.
"Wenn wir jetzt so rechnen würden, wie sich das in England entwickelt hat, also mit einer ungefähren Verdoppelung pro Woche, dann hätten wir dieses spekulative Szenario: Dann lägen wir in dieser Woche schon bei 20 Prozent", sagte Drosten. Anfang Juli wäre die Delta-Variante dann auch in Deutschland im Bereich der Dominanz. "Und wir müssten damit rechnen, dass Anfang Juli in Deutschland auch die Meldezahlen wieder hochgehen", sagte der Wissenschafter. Das sei aber noch reine Spekulation und eine Hypothese. Deutschland habe noch Chancen, wenn es die Inzidenz in den nächsten Wochen weiter senken könne. "Was auch helfen könnte, sind die Schulferien. In England ging es in den Schulen los. Das ist ein deutlicher Unterschied."
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden