Trotz steigender Neuinfektionen
Großbritannien: Kein Anstieg der Todesfälle
Die sogenannte "indische Variante" hat in kürzester Zeit alle anderen Varianten verdrängt. Mittlerweile macht die als besonders ansteckend geltende Delta-Variante 97 Prozent der Fälle aus.
Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde zuletzt mit 214 angegeben (Stand: 29. Juni). Allein am Sonntag waren mehr als 24.000 Neuinfektionen registriert worden. Doch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle bliebt weiterhin niedrig, gerade im Vergleich zu der zweiten Welle. Die Zahlen lagen damals um ein vielfaches höher.
Es lässt sich festhalten: Die Welle äußert sich derzeit fast nur in einem Anstieg von positiv Getesteten, aber kaum von Erkrankten. Von einer pandemischen Notsituation ist man auf der Insel – trotz medialen Delta-Dauerfeuers – weit entfernt
Warum die Todesfälle und Hospitalisierungen nicht mit den Corona-Fällen steigen hat mehrere Faktoren.
- Mortalität: Obwohl die sogenannte „indische Mutation“ von Anfang Februar bis Mitte Juni fast 30 % aller Corona-Fälle ausmachte und aktuell etwa 90 % aller Corona-Fälle ausmacht, sind in diesem Zeitraum nur 2,7 % der Corona-Toten auf diese Variante zurückzuführen. Wissenschaftler kamen in zwei Studien der renommierten Zeitschriften "The Lancet Public Health" und „The Lancet Infectious Diseases“ zu dem Schluss, dass B.1.1.7 weder tödlicher ist noch mit mehr oder schwereren Krankheitsverlüfen in Zusammenhang steht.
- Impffortschritt: In Großbritannien sind derzeit etwa 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 67 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Dazu kommen knapp fünf Millionen Menschen, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, die sie überstanden haben. Die Dunkelziffer könnte allerdings deutlich höher liegen: Nach Analysen des Public Health England (PHE) könnte es sogar sein, dass sogar circa 15 Prozent der Erwachsenen Antikörper durch eine Infektion besitzen. Zwar schützen die Impfstoffe nicht alle gleich gut vor einer Infektion und können diese nicht zu hundert Prozent verhindern, doch sie unterbinden schwere Krankheitsverläufe. Sie wirken gegen die Delta-Variante. Dies haben auch einige Studien bestätigt.
- Junge Menschen: Momentan erkranken vor allem viele junge Menschen an Corona. Diese erkranken wiederum wesentlich seltener schwer. Auch wenn stets davor gewarnt wird, dass auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen auf Intensivstationen landen können, so ist es statistisch gesehen äußert selten.
Der britische Premierminister Boris Johnson will die verbliebenen Corona-Maßnahmen in England bis zum 19. Juli weitgehend aufheben. Das geht aus einer Pressemitteilung der Regierung am Montag hervor. Johnson wollte noch am Abend die Pläne in einer Pressekonferenz vorstellen. Die Regierung in London geht davon aus, dass die Infektionszahlen weiterhin steigen werden, doch man müsse nun lernen, mit dem Virus zu leben. Die Eindämmung der Pandemie soll künftig den Menschen selbst überlassen werden. "Während wir lernen, mit dem Virus zu leben, müssen wir alle weiterhin umsichtig mit den Risiken durch Covid-19 umgehen und Abwägungen im täglichen Leben treffen", sagte Johnson der Mitteilung zufolge.
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