Immer weniger Aussagekraft

Große Panik um die Inzidenz

Variante aus Indien in Großbritannien auf Vormarsch
© GettyImages
Seit Beginn der Pandemie gilt die 7-Tage-Inzidenz als der wichtigste Indikator zur Einschätzung der epidemischen Lage. Mit Hinblick auf die aktuelle Corona-Situation in Europa, beginnen die Diskussionen um die tatsächliche Aussagekraft dieses Wertes.
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Während in vielen europäischen Ländern die Infektionszahlen und Inzidenzen steigen, sinken die Zahlen in Großbritannien wieder. Das Zunehmen der Infektionen wird auf die als deutlich ansteckender geltende Delta-Variante zurückgeführt. Die "Delta-Welle" hat mittlerweile auch Österreich erreicht – die Fallzahlen steigen stetig an. Grund genug für einige, wieder den Panik-Hammer zu schwingen. Doch Statistiken, unter anderem aus Großbritannien, beweisen: Inzidenz und Infektionszahlen spiegeln nicht die tatsächliche Gefahr epidemische Lage dar. Die Todesfälle und Hospitalisierungen stiegen auf der Insel nur leicht an. Überlastung des Gesundheitssystems? Fehlanzeige.

RKI hält an der Inzidenz fest

Fakt ist: Die älteren Bevölkerungsgruppen sind zum großen Teil immunisiert und es infizieren sich derzeit viele junge Menschen, die wiederum seltener schwer erkranken. Für viele ist es nur logisch, dass der Inzidenzwert an Bedeutung verliert. Doch nicht alle sehen das so. Während immer mehr Forscher einen Kurswechsel fordern, hält beispielsweise das deutsche RKI (Robert Koch Institut) felsenfest am Inzidenzwert fest: „Eine steigende 7-Tage-Inzidenz geht dieser Entwicklung voraus, sie ist und bleibt der früheste aller Indikatoren. Die 7-Tage-Inzidenz bleibt daher wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren“. Dies stößt auf scharfe Kritik in den deutschen Bundesländern.

Die Zahlen werden in Österreich weiter steigen – Rufe nach Verschärfungen werden lauter.

Doch auch in Österreich bedarf es einem Kurswechsel – auch in der medialen Berichterstattung. Die Corona-Kurven aus Großbritannien bewiesen es: Es gibt kein Grund zur Panik.

Großbritannien: Experten tappen im Dunkeln

Das Ende aller Corona-Maßnahmen hat einen Sturm der Entrüstung gegen den britischen Premierminister Boris Johnson ausgelöst.

Experten warnten vor 100.000 Infektionen am Tag.

Gesundheitsminister Sajid Javid verteidigte die Öffnungen. Doch selbst er prognostizierte bis zu 100.000 Infektionen am Tag: "Wenn wir lockern und in den Sommer starten, erwarten wir einen deutlichen Anstieg, die Zahl der Fälle könnte auf bis zu 100 000 (täglich) steigen", sagte der Minister gegen über dem Radiosender BBC 4. Einige "Experten" sprachen gar von bis zu 200.000 Infektionen am Tag. Doch die Infektionszahlen in Großbritannien befinden sich derzeit im Sinkflug. Laut Prognosen dürfte sich dieser Trend fortsetzen. Der Peak wurde mit 54.674 erreicht und liegt damit mehr als deutlich unter den Prognosen der Experten.

Große Panik um die Inzidenz
© Public Health England
Große Panik um die Inzidenz
© Public Health England

Kritik an der Aussagekraft der Inzidenz gibt es schon lange. Sie ist seit Pandemiebeginn das Maß aller Dinge. Politiker und Wissenschaftler rechtfertigten damit Maßnahmen und Lockdowns.

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