Rendi-Wagner mit Kritik an Öffnungen: Regierung hat Corona-Ziel und -Kontrolle aufgegeben

SP-Chefin warnt vor 3. Welle

Rendi: "Kein Spielraum für Lockerungen"

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner über 3. Welle, Schulen und Impfstreit der Regierung. 

ÖSTERREICH: Gestern wurden erneut über 3.000 Neuinfektionen gemeldet. Am Montag wird über Lockerungen diskutiert. Falscher Zeitpunkt dafür, oder?


Pamela Rendi-Wagner: Wir hatten mehrere Tage über 3.000 Neuinfektionen. Bei diesem Niveau hat man keinerlei Spielraum für weitere Lockerungen. Auch die Hospitalisierungen steigen an. Es darf nicht das­selbe passieren wie im November, als das Gesundheitssystem knapp am Kollaps vorbeigeschrammt ist. Unsere Impfrate ist leider noch viel zu nieder, um das ausgleichen zu können.


ÖSTERREICH: Sie waren Anfang Februar gegen die Lockerungen. Fühlen Sie sich bestätigt?


Rendi-Wagner: Die jetzigen Zahlen – sowohl die Infektionen als auch die Spitalsauslastungen – sind die Folge der verfrühten Lockerungen Anfang Februar. Die Zahlen steigen kontinuierlich an und machen mir große Sorgen. Man muss jetzt gegensteuern. Ich habe den Eindruck, dass die dritte Welle, auf die wir zusteuern, vonseiten der Regierung unterschätzt wird. Wir hätten drei bis vier Wochen länger durchhalten sollen. Mein Ziel ist es, die Situation langfristig zu stabilisieren. Dafür müssen wir die Infektionszahlen drücken, um dann dauerhafte Öffnungsschritte zu setzen. Dieses Auf/Zu schadet allen: der Gesundheit, dem Gesundheitssystem und der Wirtschaft.


ÖSTERREICH: Der Anstieg ist auch auf die Ausbreitung der B.1.1.7-Variante zurückzuführen. Im Moment ist Ostösterreich davon am meisten betroffen.


Rendi-Wagner: Die Ausbreitung der B.1.1.7-Variante ist alles andere als eine Überraschung. Das hatten die Experten in den Sitzungen mit Regierung und Ländern auch immer wieder prognostiziert. Weitere Öffnungen würden diese Ausbreitung noch mehr beschleunigen. Das wäre hochriskant. Die Ausbreitung passiert derzeit von Ost nach West. Aber B.1.1.7 wird sich auch im Westen ausbreiten.


ÖSTERREICH: B.1.1.7 breitet sich auch an Schulen aus. Was würden Sie tun?


Rendi-Wagner: Das Wichtigste ist jetzt, alles zu unternehmen, um Schulen sicher zu machen. Eine hohe Testfrequenz ist sehr wichtig. Die angewandten Schnelltests müssen aber auch qualitätsgesichert sein. Entscheidend ist, dass man zuverlässige Tests hat, um Infektionsketten rasch durchbrechen zu können und so Cluster zu verhindern. Und natürlich auch FFP2-Masken in den Schulen.


ÖSTERREICH: Der Druck der Wirtschaft bezüglich Öffnungen ist enorm …


Rendi-Wagner: Man sollte Gesundheit und Wirtschaft nicht gegeneinander ausspielen. Es geht sowohl um Gesundheit als auch um Wirtschaft. Nur durch stabile Zahlen werden die Menschen Sicherheit haben und wieder konsumieren. Angst vor steigenden Zahlen, Angst vor schlechtem Impfmanagement ist hingegen Gift. Die Menschen spüren den Kontrollverlust der Regierung.


ÖSTERREICH: Apropos Impfmanagement ...


Rendi-Wagner: Es ist nicht gut, dass wir neun verschiedene Impfstrategien haben. Wir brauchen eine zentrale Steuerung beim Impfen.


ÖSTERREICH: Finden Sie, dass der Impfkoordinator Auer suspendiert gehört?


Rendi-Wagner: Für mich zählt politische Verantwortung. Ein Beamter als Sündenbock ist mir zu billig. Wir brauchen jetzt kein Hickhack in der Regierung oder mit der EU. Für mehr Impfstoff muss man gemeinsam sorgen. Das Impfen ist unsere große Chance die Pandemie zu bewältigen.


Interview: I. Daniel  



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